> Gedichte und Zitate für alle: Sturmgedichte von B.Wille und F.Dörmann (19)

2013-09-21

Sturmgedichte von B.Wille und F.Dörmann (19)






Bruno Wille

Sturm und Fels

 In öder Nacht am Meeresstrand
Ein Fels gen Himmel dunkelt.
Er starrt ins lockende Wunderland,
Wo ein Stern, sein Engel, ihm funkelt.

Da kommt der Sturm dahergebraust,
Begrüßt von murmelnder Welle,
Und packt den Felsen mit rüttelnder Faust:
»Wach auf, verträumter Geselle!

Hast lange genug emporgeschaut
Mit ungetröstetem Harme.
Nun reiße vom Himmel die spröde Braut
In deine trotzigen Arme!

Schau her, wie man mit Bräuten tut,
Das tolle Sehnen zu stillen!
Hoiho, mein Lieb, du salzige Flut!
Ich pfeife, sei mir zu Willen!

Und er stürzt der See an die wogende Brust
Und hält sie tanzend umfangen;
Sie windet die Glieder in jauchzender Lust
Wie rasende Riesenschlangen.

Die Wirbelnde schlägt ihr nasses Gewand
An den Felsen mit frechem Spotte,
Und ach, der Stern, sein Engel, entschwand
Vor der wüsten Wolkenrotte.

Nun spüre mein Fels, vom Taumel umtost,
Wie ein frommes Lied dich durchschauert:
»Halt aus! Es keimt ein heimlicher Trost,
Wo Treue in Trennung trauert.

Der heiligen Keuschheit bleibe geweiht
Die Liebe zur himmlischen Ferne!
Dann tragen dich Schwingen der Ewigkeit
Zum angebeteten Sterne.«
Felix Dörmann

Sturm

Wo sich auf bleichgeglühten Kalksteinfelsen
Der Rosenhain erhebt, dort ruhtest du...
Die Luft ist schwül, dem fernen Horizont
Entsteigt ein nachtgefärbtes Sturmgewölk,
Das noch ein letztes, blasses Roth umsäumt.
In schwärzlich-grünen, weiten Wellen schlägt
Schweratmend schon empor zum Strandgeklipp
Das wilde Meer und jauchzt dem Sturm entgegen,
Der es durchschüttert bis zum letzten Grund.
Zu Neste flüchtet scheu das Seegevögel,
Und heimwärts flieht mit hochgebauschtem Segel
Der Fischerbarken angstgepeitschte Schaar...
Du aber ruhst in marmornem Gestühl
Und saugst in gierig langen Atemzügen
Der goldig-blassen Rosen schweren Hauch,
Und lässt den Sturm in liebesheißem Spiel
Von Brust und Schultern Dir den Schleier lösen
Und starrst hinaus auf gischtgekrönte Wasser
Und träumst vom Sturm, der Deine Seele liebt

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