> Gedichte und Zitate für alle: An die Natur- Gedichte- Günther von Goeckingk und Friedrich Matthisson (4)

2013-10-22

An die Natur- Gedichte- Günther von Goeckingk und Friedrich Matthisson (4)







Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

An die Natur

 Oft setz' ich mich auf deine Berge hin,
Und wühle mit dem Aug' in deinen Schätzen,
Und lasse sich mein Herz an dem Bewußtseyn letzen,
Daß ich genügsam bin.
Daß ich den braunen Kohl und Kopfsalat,
Die meine Schüssel füllen, selbst mir baute;
Daß ich den Himmel nie bei Butterbrod und Raute
Um etwas mehr noch bat.
Daß von dem Saft', der Rhingaus Trauben schwillt,
Auch mir die Winzer ein paar Flaschen preßten,
Doch ich den Becher nur damit bei Freundschaftsfesten,
Und nie für mich gefüllt.[
Daß man für mich noch keinen Strauß erschlug,
Daß, wenn sich von den Herden, die dort weiden,
Ein Berg von Wolle thürmt, um mich nach Wunsch zu kleiden,
Drei Schafe sind genug.
Für dieses Beet voll Kohl, dieß Fäßchen Wein,
Und diese Handvoll Wolle, schlicht' ich bieder
Der Menschen Händel, bin ein Sänger froher Lieder,
Und karg nur mir allein.
O die du meinen Lebensfaden sponnst!
Gib, bis er in die Gruft sich einst verlieret,
Mir nur das wenige, was mir als Lohn gebühret:
Denn ich mag nichts umsonst!
Und bin ich einst zu kraftlos für mein Joch,
Nur da noch, um zu essen: o so spanne
Mich aus! und schenke mir im Harz' die kleinste Tanne
Zu einem Sarge noch!
Ich will den Bruch um keinen Marmorstein
Vermindern. Weg, du Thor, von meinem Grabe,
Der keinen Armen fragt, ob er auch Hunger habe?
Und mir will Urnen weihn!
Friedrich Matthisson

Die Natur

Saht ihr, in stiller Sommernacht, den Mond
Durch melancholische Zypressen schaun,
Wann ringsumher die feiernde Natur
In Schlummer sank und kaum zu athmen schien,
Und jedes Herz in süsser Wehmuth schmolz?
Saht ihr, vom goldnen Abenddämmrungslicht
Sanft angestralt, in stiller Majestät,
Helveziens beeiste Gipfel glühn?
Saht ihr, wie dort vom schroffen Fels der Rhein,
Gleich immerdonnernden Gewittern, sich
In hochgethürmte Schaumgebirge stürzt?
Ha! selbst der hundertjähr'gen Eiche Stamm
Ist seinen Riesenwogen hier ein Spiel!
Saht ihr, vom Sturm empört, den Ozean,
Mit ungezähmter Wuth, bald himmelwärts
Verschlagne Flotten schleudern, bald hinab
Zur schwarzen Tiefe stürzen, donnernd sich
Noch einmal heben, und die Leichen dann
Hochbrandend schmettern an das Felsgestad?
Saht ihr dies alles, so beschwör' ich euch,
O Dichterlinge! bei den Grazien
Und Musen! bei des Mäoniden Geist!
Bei jenen Höh'n, die Klopstocks Genius
Zuerst erschwebte! bei dem Harfenklang
Von Fingals Barden! bei Petrarkas Quell!
Beim Lorbeerbaum der Maros Grab umrauscht!
Bei jenem Paradies der Feeerei
Wo einst Rinaldos Heldenkraft erlag!
Bei Miltons Lichtgruß! bei dem düstern Flor
Um Dantes Nachtstück: Ugolinos Tod!
Bei Hamlets Seyn und Nichtseyn! beim Erguß
Des Vaterherzens an Narzissas Gruft!
Bei Wielands rosenfarbner Zauberwelt!
Bei Uzens Sonnenflug, bei Allem was
Dem Dichter heilig ist, beschwör' ich euch:
Entweihet nicht das Allerheiligste
Der göttlichen Natur, in Red' und Sang,
Durch leeres Wortgeschäum von Seelensturm,
Von Schwung und Allkraft, Drang und Hochgefühl!
Denn wisset, es verschmäht die Göttliche
Der Dichterlinge Kainsopfer, winkt
Dem Sturm der Zeit, lautzürnend, zu verwehn
Den schwarzen Dampf, der ihr ein Gräuel ist!

Keine Kommentare: