> Gedichte und Zitate für alle: C. Morgenstern-Galgenlieder: Anto-logie und die Hysterix (27)

2013-10-25

C. Morgenstern-Galgenlieder: Anto-logie und die Hysterix (27)







Anto-logie

Im Anfang lebte, wie bekannt,
als größter Säuger der Gig - ant.

Wobei gig eine Zahl ist, die
es nicht mehr gibt, - so groß war sie!

Doch jene Größe schwand wie Rauch.
Zeit gabs genug - und Zahlen auch.

Bis eines Tags, ein winzig Ding,
der Zwölef - ant das Reich empfing.

Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb? -
Sein Bein wird im Museum gelb.

Zwar gab die gütige Natur
den Elef - anten uns dafur.

Doch ach, der Pulverpavian,
der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,

erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen,
zum Zehen - anten zu verblassen.

O 'Klub zum Schutz der wilden Tiere',
hilf, das der Mensch nicht ruiniere

die Sprossen dieser Riesenleiter,
die stets noch weiter führt und weiter!

Wie dankbar wird der Ant dir sein,
läßt du ihn wachsen und gedeihn, -

bis er dereinst im Nebel hinten
als Nulel - ant wird stumm verschwinden.
Die Hysterix

Das hinterindische Stachelschwein
(hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.

Entdeckst du wo im Walde drauß
bei Siam seine Spur,
dann tritt es manchmal, sagt man, aus
den Schranken der Natur.

Dann gibt sein Zorn ihm so Gewalt,
das, eh du dich versiehst,
es seine Stacheln jung und alt
auf deinen Leib verschießt.

Von oben bis hinab sodann
stehst du gespickt am Baum,
ein heiliger Sebastian,
und traust den Augen kaum.

Die Hystrix aber geht hinweg,
an Leib und Seele wüst.
Sie sitzt im Dschungel im Versteck
und büßt.






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