> Gedichte und Zitate für alle: C. Morgenstern-Galgenlieder: Der Walfisch und Philantropisch (24)

2013-10-25

C. Morgenstern-Galgenlieder: Der Walfisch und Philantropisch (24)







Der Walfafisch oder: Das Überwasser

Das Wasser rinnt, das Wasser spinnt,
bis es die ganze Welt gewinnt.
Das Dorf ersäuft,
die Eule läuft,
und auf der Eiche sitzt ein Kind.

Dem Kind sind schon die Beinchen naß,
es ruft: "Das Wass, das Wass, das Wass!"
Der Walfisch weint
und sagt: "Mir scheint,
es regnet ohne Unterlaß."

Das Wasser rann mit Zasch und Zisch,
die Erde ward zum Wassertisch.
Und Kind und Eul
o Greul, o Greul -
sie frissifraß der Walfafisch.
Philantropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.

Kaum, das er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.





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