> Gedichte und Zitate für alle: C.Morgenstern-Galgenlieder: Der Steinochs und Tapetenblume (18)

2013-10-24

C.Morgenstern-Galgenlieder: Der Steinochs und Tapetenblume (18)







Der Steinochs

Der Steinochs schüttelt stumm sein Haupt,
daß jeder seine Kraft ihm glaubt.
Er spießt dich plötzlich auf sein Horn
und bohrt von hinten dich bis vorn.
Weh!

Der Steinochs lebt von Berg zu Berg,
vor ihm wird, was da wandelt, Zwerg.
Er nährt sich meist - und das ist neu -
von menschlicher Gehirne Heu.
Weh!

Der Steinochs ist kein Tier, das stirbt,
dieweil sein Fleisch niemals verdirbt.
Denn wir sind Staub, doch er ist Stein!
Du möchtest wohl auch Steinochs sein?
He?
Tapetenblume

Tapetenblume bin ich fein,
kehr wieder ohne Ende,
doch, statt im Mai'n und Mondenschein,
auf jeder der vier Wände.

Du siehst mich immerdar genung,
so weit du blickst im Stübchen,
und folgst du mir per Rösselsprung -
wirst du verrückt, mein Liebchen.






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