> Gedichte und Zitate für alle: Der erste Schnee- Gedichte deutscher Dichter (2)

2013-10-09

Der erste Schnee- Gedichte deutscher Dichter (2)





Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Als der erste Schnee fiel

 Gleich einem König der in seine Staaten
 Zurück als Sieger kehrt, empfängt ein Jubel dich!
 Um eine Hand voll Flocken balgen sich
 Die Knaben, wie um Huldigungsdukaten.

Auch mir, zwar bin ich schon ein großes Mädchen,
 Bist du, gekommner Schnee, ein längstgewünschter Gast;
 Denn überlegt mit weichen Decken hast
 Du jeden Schritt in unserm rauhen Städtchen.

 Ha! wenn mir nun im kleinen Muschelwagen,
Der dreymal schneller noch, als der auf Rädern, läuft,
 Der barsche Wind durch meine Locken pfeift
 Will ich ihm, barsch wie er, ein Schnipchen schlagen.

 Wenn gleich Cythere, wie ich einst gelesen,
 Noch zehnmal schöner war, als sie ans Ufer fuhr,
So sind doch Meeresungeheuer nur
 Begleiter ihrer Wunderfahrt gewesen.

 Drum fahr' ich stolzer durch die engen Gassen,
 Als sie durchs weite Meer; mit einem leisen Ach
 Blickt mir der Neid aus allen Fenstern nach:
Denn, Amarant! du, du wirst mich umfassen.
  Nantchen.
August von Platen

       Hier, wo von Schnee der Alpen Gipfel glänzen,
Gedenk ich still vergangner Missgeschicke,
Zurück nach Deutschland wend ich kaum die Blicke,
Ja, kaum noch vorwärts nach Italiens Gränzen.

Vergebens hasch ich nach geträumten Kränzen,
Daß ich die Stirne, die mich brennt, erquicke
Und Seufzer wehn, die selten ich ersticke,
Als könnten Seufzer das Gemüt ergänzen!

Wo ist ein Herz, das keine Schmerzen spalten?
Und wer ans Weltenende flüchten würde,
Stets folgten ihm des Lebens Truggestalten.

Ein Trost nur bleibt mir, daß ich jeder Bürde
Vielleicht ein Gleichgewicht vermag zu halten
Durch meiner Seele ganze Kraft und Würde.

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