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2013-10-05

Die deutsche Ballade-Heinrich Heine: Belsazar (3)


Baum




Das alte Testament berichtet vom Tod des Königs der die jüdischen Gesetze gelästert hat. Wahrscheinlich ist es aber so, das Belsazer, der Statthalter von Babylon bei der Eroberung der Stadt durch die Perser erschlagen wurde. 
Der Stoff hat vor Heine schon einige Schriftsteller beschäftigt und es gibt einige Dramen und Gedichte die den Stoff behandeln. 
Heines Gedicht wurde 1822 veröffentlicht. Die Ballade wechselt von einer chronikartigen Erzählweise zum Gegenwärtigen und baut so eine Spannung auf die bis zum Höhepunkt, der Lästerung, aufrecht erhalten wird. Kontrastreich auch der Beginn der Ballade (Feststimmung) mit dem Ende. (Tod des Königs) 




Belsazar


Die Mitternacht zog näher schon;
In stummer Ruh lag Babylon

Nur oben in des Königs Schloss,
Da flackert's, da lärmt des Königs Tross.

Dort oben in dem Königssaal
Belsazar hielt sein Königsmahl.

Die Knechte saßen in schimmernden Reihn
Und leerten die Becher mit funkelndem Wein.

Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht;
So klang es dem störrigen Könige recht.

Des Königs Wangen leuchten Glut;
Im Wein erwuchs ihm kecker Mut.

Und blindlings reißt der Mut ihn fort;
Und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort.

Und er brüstet sich frech, und lästert wild;
Der Knechtenschar ihm Beifall brüllt.

Der König rief mit stolzem Blick;
Der Diener eilt und kehrt zurück.

Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt;
Das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt.

Und der König ergriff mit frevler Hand
Einen heiligen Becher, gefüllt bis am Rand.

Und er leert ihn hastig bis auf den Grund
Und rufet laut mit schäumendem Mund:

"Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn –
Ich bin der König von Babylon!"

Doch kaum das grause Wort verklang,
Dem König ward's heimlich im Busen bang.

Das gellende Lachen verstummte zumal;
Es wurde leichenstill im Saal.

Und sieh! und sieh! an weißer Wand
Da kam's hervor wie Menschenhand;

Und schrieb, und schrieb an weißer Wand
Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand.

Der König stieren Blicks da saß,
Mit schlotternden Knien und totenblass.

Die Knechtenschar saß kalt durchgraut
Und saß gar still, gab keinen Laut.

Die Magier kamen, doch keiner verstand
Zu deuten die Flammenschrift an der Wand.

Belsazar ward aber in selbiger Nacht
Von seinen Knechten umgebracht.






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