> Gedichte und Zitate für alle: Einführung in die Galgenlieder von C.Morgenstern

2013-10-27

Einführung in die Galgenlieder von C.Morgenstern






Bis zum Erscheinen der "Galgenlieder" im Jahr 1905 hatte Morgenstern nur ernste Gedichte geschrieben. Mit dieser Sammlung wurde der Dichter nun auch einem breiteren Lesekreis bekannt.
Die Gedichte wurden 1895 einem kleineren Kreis von Bekannten vorgelesen die sich die Galgenbrüder nannten. Bei Vorträgen im Kabarett "Überbrettl" , fanden die Gedichte so eine gute Aufnahme durch das Publikum, das sich Morgenstern entschloss diese in Buchform herauszugeben.

Beim Erscheinen der "Galgenlieder" war die Aufnahme durch die Literaturkritik recht gespalten. Einig war man sich zumeist nur darüber das es sich nicht um Poesie im herkömmlichen Sinne handelte. Die meisten Kritiker und Leser hielten das Werk als Ergebniss von guter Laune des Dichters die er in humoreske Verse kleidet.

Nur wenige Zeitgenossen erkannten das der Dichter mit der deutschen Sprache experimentiert und diese in dem Gedicht "Fischgesang" völlig auflöst da es nur noch aus Zeichen besteht. Sicher wollte der Dichter Erstaunen beim Leser hervorrufen indem er in seinen Gedichten aufzeigt was in den Beziehungen und dem Verhalten der Menschen nicht stimmt.

Zum Beispiel das Knie:


Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.

Im Kriege ward einmal ein Mann
erschossen um und um.
Das Knie allein blieb unverletzt -
als wärs ein Heiligtum.

Seitdem gehts einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.

Man erfährt nicht wie das Knie von seinem Träger getrennt wurde sondern es wandelt wie selbstverständlich durch die Welt. Diese Selbstverständlichkeit läßt erahnen das die Wanderschaft des Knies für den Dichter etwas völlig Normales ist in einer Welt in der sich die Dinge verselbstständigen. 
Ähnlich der Lattenzaun der seinen Zwischenraum verliert. Das Gedicht der Lattenzaun grenzt schon an das Groteske. 

Von den Gedichten, sie waren ursprünglich als Liedtexte gedacht, wurden zahlreiche vertont und illustriert.





Keine Kommentare: