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2013-10-04

Gedichte von Ludwig Altenbernd- Vorboten (1)






Vorboten

Der Heidebauer lehnt gemach
an des Gehöftes Fichtenzaun;
braun ragt sein niedres Halmendach
und rings die Heide tot und braun.
Der Spätherbstabend, grau und kalt,
zieht übers Teutgebirg herein;
es dunkelt, durch der Türe Spalt
nur blinkt des Herdes Feuerschein.

Des Landmanns Auge hängt im West
fern an der Heide dunklem Rand,
wo abgestorbner Tannen Rest
bedeckt des Hünensteines Wand.
Er prüft den Wind, der Krähen Flug,
ob wohl der Winter auf dem Pfad —
Sieh da, welch wunderbarer Zug,
der drüben von der Bergschlucht naht!

Voran mit Rüden und mit Roß
hoch in der Luft ein wildes Heer,
das sattel-, zaum- und bügellos
in Sturmeseile braust daher.
Ein Wagen dann; vier Rappen ziehn
ihn blitzschnell durch den Nebelstreif,
wie Kohlen Aug und Nüster glühn,
ein wallend Feuer Mähn’ und Schweif.

Und in den Lüften hallt und gellt
es südwärts hin, die Heid’ entlang,
wie wenn die Meute heult und bellt
beim Jagdhallo und Hörnerklang.
Der Habicht fliegt von seinem Horst,
die Eul entflieht mit leisem Flug,
es duckt das Wild sich tief im Forst,
bis still die Heid’ und fern der Zug.

Der Bauer lauscht; die Luft ist rein,
fern kläfft der Fuchs nur dann und wann,
er zündet dann mit Stahl und Stein
die ausgegangne Pfeife an:
„Ich dacht’s! Der Sommer fährt vorbei,
Sankt Martin wird der Winter wach;
wir bringen morgen noch die Streu
und Kraut und Rüben unter Dach.“




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