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2013-10-25

Gedichte zum Thema Natur von Goethe und Platen (5)





Johann Wolfgang von Goethe

Natur und Kunst

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
und haben sich, eh' man es denkt, gefunden;
der Widerwille ist auch mir verschwunden,
und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
Und wenn wir erst in abgemess'nen Stunden
mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

So ist's mit aller Bildung auch beschaffen;
vergebens werden ungebundne Geister
nach der Vollendung reiner Höhe streben.

Wer Großes will, muß sich zusammenraffen;
in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
August Graf von Platen

 Wenn du, Natur, eine Gestalt bilden willst,
Vor den Augen der Welt, wie viel du vermagst, darzutun,
Ja, dann trage der Liebling
Deiner unendlichen Milde Spur.

Alles an ihm werde sofort Ebenmaß,
Wie ein prangender Lenz, von Blüten geschwellt, jedes Glied;
Huldreich alle Gebärden,
Alle Bewegungen sanft und leicht.

Aber in sein Schwärmergesicht prägest du
Den lebendigen Geist, und jene, wiewohl fröhliche,
Doch kaltblütige Gleichmut,
Wiegend in Ruhe Begier und Kraft.
August Graf von Platen

 Ist's möglich, ein Geschöpf in der Natur zu sein,
Und stets und wiederum auf falscher Spur zu sein?
Ward nicht dieselbe Kraft, die dort im Sterne flammt,
Bestimmt, als Rose hier die Zier der Flur zu sein?
Was seufzt ihr euch zurück ins sonst'ge Paradies,
Um wie das Sonnenlicht verklärt und pur zu sein?
Was wünscht ihr schmerzbewegt euch bald im Erdenschoß,
Und über Wolken bald und im Azur zu sein?
Was forscht ihr früh und spat dem Quell des Übels nach,
Das doch kein andres ist, als Kreatur zu sein?
Sich selbst zu schaun, erschuf der Schöpfer einst das All,

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