> Gedichte und Zitate für alle: West-östlicher Divan- Das Schenkenbuch: Du kleiner Schelm du! (109)

2013-10-18

West-östlicher Divan- Das Schenkenbuch: Du kleiner Schelm du! (109)






Du kleiner Schelm du!
Das ich mir bewußt sei,
Darauf kommt es überall an.
Und so erfreu ich mich
Auch deiner Gegenwart,
Du Allerliebster,
Obgleich betrunken.
Was in der Schenke waren heute
Am frühsten Morgen für Tumulte!
Der Wirt und Mädchen! Fackeln, Leute!
Was gab’s für Händel, für Insulte!

Die Flöte klang, die Trommel scholl!
Es war ein wüstes Wesen —
Doch bin ich, Lust und Liebe voll,
Auch selbst dabeigewesen.

Das ich von Sitte nichts gelernt,
Darüber tadelt mich ein jeder;
Doch bleib ich weislich weit entfernt
Vom Streit der Schulen und Katheder.
Schenke

Welch ein Zustand! Herr, so späte
Schleichst du heut aus deiner Kammer;
Perser nennen’s Bidamag buden,
Deutsche sagen Katzenjammer.

Dichter

Laß mich jetzt, geliebter Knabe,
Mir will nicht die Welt gefallen,
Nicht der Schein, der Duft der Rose,
Nicht der Sang der Nachtigallen.

Schenke

Eben das will ich behandeln,
Und ich denk, es soll mir klecken,
Hier! genieß die frischen Mandeln,
Und der Wein wird wieder schmecken.

Dann will ich auf der Terrasse
Dich mit frischen Lüften tränken;
Wie ich dich ins Auge fasse,
Gibst du einen Kuß dem Schenken

Schau! die Welt ist keine Höhle,
Immer reich an Brut und Nestern,
Rosenduft und Rosenöle;
Bulbul auch, sie singt wie gestern.






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