> Gedichte und Zitate für alle: An die Natur- Gedichte über die Natur von Klabund, Rilke und Ringelnatz (19)

2013-11-02

An die Natur- Gedichte über die Natur von Klabund, Rilke und Ringelnatz (19)







Rainer Maria Rilke

Natur ist glücklich

Natur ist glücklich. Doch in uns begegnen
sich zu viel Kräfte, die sich wirr bestreiten:
wer hat ein Frühjahr innen zu bereiten?
Wer weiß zu scheinen? Wer vermag zu regnen?

Wem geht ein Wind durchs Herz, unwidersprechlich?
Wer faßt in sich der Vogelflüge Raum?
Wer ist zugleich so biegsam und gebrechlich
wie jeder Zweig an einem jeden Baum?

Wer stürzt wie Wasser über seine Neigung
ins unbekannte Glück so rein, so reg?
Und wer nimmt still und ohne Stolz die Steigung
und hält sich oben wie ein Wiesenweg?
Klabund

An die Natur

Natur! Natur! Du Götterwelt!
Wie bist du prächtig aufgestellt
Mit Bergen groß und Tälern klein,
Es hat wohl müssen also sein. 

Und mittendrin in der Natur
Dehnt sich die grüne Wiesenflur,
Im Winter ist sie weiß beschneit,
So hat ein jedes seine Zeit. 

Auch du, auch du, o Menschenkind,
Bedenke, wie die Zeit verrinnt.
Heut rauscht sie mächtig noch daher,
Und morgen sieht man sie nicht mehr. 

Frisch auf, frisch auf, mit Hörnerklang
Durch das verschneite Tal entlang,
Die Glöckchen klingen am Geläut:
Gestern war gestern, 
morgen wird morgen sein 
heute ist heut.
Otto Ernst

Natur und Liebe

Fordre nicht, das ich mit Worten sage
Was mich quält und peinigt jeden Tag!
Müde bin ich, das ich keine Worte
Auch von deinen Lippen hören mag.

Menschen haben mir so viel mit Weisheit
Und mit leerem Troste zugesetzt,
Das vor ihrer wortbehenden Liebe
Wahrlich sich mein scheues Ohr entsetzt.

Laß du mich in deine weichen Hände
Stumm vergraben Stirn und Wangen nur;
Dann empfind’ ich schauernd deine Liebe
Wie den leisen Odem der Natur.

Und zu dir zieht mich dieselbe Lockung
Ewigen Friedens, der ich oft gelauscht,
Die aus Quellen flüstert und aus Blumen
Und von hohen, heil’gen Bäumen rauscht.
Joachim Ringelnatz

Natur

Wenn immer sie mich fragen,
Ob ich ein Freund sei der Natur,
Was soll ich ihnen nur
Dann sagen? 

Ich kann eine Bohrmaschine,
Einen Hosenträger oder ein Kind
So lieben wie eine Biene
Oder wie Blumen oder Wind. 

Ein Sofa ist entstanden,
So wie ein Flußbett entstand.
Wo immer Schiffe landen,
Finden sie immer nur Land. 

Es mag ein holder Schauer
Nach einem Erlebnis in mir sein.
Ich streichle eine Mauer
Des Postamts. Glatte Mauer aus Stein. 

Und keiner von den Steinen
Nickt mir zurück. 
Und manche Leute weinen

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