> Gedichte und Zitate für alle: Der Advent im Spiegel deutscher Gedichte (3)

2013-11-08

Der Advent im Spiegel deutscher Gedichte (3)






Matthias Claudius

Lied im Advent

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!
Rainer Maria Rilke

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
Und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus.  Den weißen Wegen
Streckt sie die Zweige hin - bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.
Annette von Droste-Hülshoff

Am dritten Sonntage im Advent

Evang.: Johannes sendet zu Christo

Auf keinen Andern wart' ich mehr:
Wer soll noch Liebres kommen mir?
Wer soll so mild und doch so hehr
Mir treten an des Herzens Tür?
Wer durch des Fiebers Qual und Brennen
So liebreich meinen Namen nennen,
Ein Balsamträufeln für und für?

Du wußtest es von Ewigkeit,
Das der Gedanken Übermaß,
Dem Sinn entzogner Herrlichkeit,
Zersprengen müßt' mein Hirn wie Glas;
So kommst du niedrig meinesgleichen,
Wie zu der Armut Fromme schleichen,
Dich setzend wo der Bettler saß.

Wenn fast zum Schwindeln mich gebracht
Der wirbelnden Betrachtung Kreis,
Dann trittst du aus der Dünste Nacht,
Und deine Stimme flüstert leis:
»Hier bin ich, bin ich, woll' mich fassen,
Dann magst du alles Andre lassen;
Auf meinem Kreuze liegt der Preis.«

O Stimme, immer mir bekannt,
O Wort, das stets verständlich mir,
Du legst mir auf der Liebe Band,
Und meine Schritte folgen dir!
In Liebe glaub' ich, Liebesglauben
Fürwahr soll keine Macht mir rauben;
Geschlossen ist des Grübelns Tür.

Gehemmt die Jagd, durch scharfen Stein
Und Dornen hetzend meinen Fuß;
Ich ruh' in deinem kühlen Hain
Und lausche deinem sanften Gruß.
Die Blinden sehn, die Kalten glühen,
Und aus des Irren Haupte ziehen
Der dumpfen Schatten Menge muß.

Ich folge dir zu Berges Höhn,
Wo Leben von den Lippen fließt,
Und deine Tränen darf ich sehn,
O tausendmal mit Heil gegrüßt;
Muß in Gethsemane erzittern,
Das Schrecken Gottes Leib erschüttern,
Blutschweiße Gottes Stirn vergießt.

Er hat gehorsam bis zum Tod,
Ja, zu des Todes eitlem Graus,
Gekostet jede Menschennot
Und trank den vollen Becher aus:
So richte dich aus Dorn und Höhle,
Du meine angstgeknickte Seele;
Auch du nur trägst ein irdisch Haus.

Laß wanken denn die Türme grau
Und mische deine Tränen nur
Mit deines Heilands blut'gem Tau,
Gequälter Sklave der Natur;
Er, dessen Schweiß den Grund gerötet,
Er weiß es, wie ein Seufzer betet,
Mein Jesus, meine Hoffnungsau!
 Annete von Droste-Hülshoff

Adventslied

Auf keinen Andern wart ich mehr,
Wer soll noch Lieb'res kommen mir?
Wer soll so mild und doch so hehr
Mir treten an des Herzens Tür?
Wer durch des Fiebers Qual und Brennen
So liebreich meinen Namen nennen,
Ein Balsamträufeln für und für?

Du wußtest es von Ewigkeit,
Das der Gedanken Uebermaß
Dem Sinn entzog'ner Herrlichkeit
Zersprengen müßt' des Hirnes Maß;
So kommst Du niedrig unsers Gleichen,
Wie zu der Armut Fromme schleichen
Sich setzen wo der Bettler saß.

Wenn fast zum Wahnsinn mich gebracht
Der schwindelnden Betrachtung Kreis:
Dann trittst Du aus der Dünste Nacht
Und Deine Stimme flüstert leis:
?Hier bin ich, kannst Du mich erfassen,
So magst Du alles Zagen lassen;
Auf meinem Kreuze liegt der Preis!"

O Stimme, immer mir bekannt,
O Wort, das stets verständlich mir,
Du ziehst mich an der Liebe Band
Und meine Schritte folgen Dir!
In Liebe glaub' ich, Liebesglauben
Fürwahr soll keine Macht mir rauben,
Geschlossen ist des Sinnens Tür.

Von wilder Jagd, die über Stein
Und Dorn gehetzt hat meinen Fuß,
Ich ruh' in Deinem kühlen Hain
Und lausche Deinem sanften Gruß.
Die Blinden seh'n, die Kalten glühen
Und aus des Irren Haupte ziehen
Der finst're Hauf' der Schatten muß.

Ich folge Dir zu Bergeshöh'n,
Wo Leben von den Lippen fließt,
Und Deine Tränen darf ich seh'n,
Oft tausendmal mit Heil gegrüßt,
Muß in Gethsemane erzittern,
Das Schrecken Gottes Leib erschüttern,
Blutschweiße Gottes Stirn vergießt.

Du hast gehorsam bis zum Tod,
Ja zu des Todes finsterm Graus,
Gekostet jede Menschennot
Und trankst den vollen Becher aus.
So richte Dich aus Dorn und Höhle,
Du meine angstgeknickte Seele,
Auch Du nur trägst ein irdisch Haus.

Laß wanken denn den Kerkerbau
Und mische Deine Träne nur
Mit Deines Heilands blut'gem Tau,
Gequälter Sklave der Natur!
Er, dessen Schweiß den Grund gerötet,
Er weiß es, wie ein Seufzer betet,

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