> Gedichte und Zitate für alle: Der Totensonntag in Gedichten Teil 2 (Hensel, Claudius)

2013-11-04

Der Totensonntag in Gedichten Teil 2 (Hensel, Claudius)






Luise Hensel

Totenfeier

Was kündet ihr uns, Glocken?
Ihr läutet ernsten Klang.
»Den Flor um Brust und Locken!
Wir läuten Grabgesang.«

»Wir läuten Totenfeier,
Wir läuten Klag' und Schmerz.
Heut weht ein schwarzer Schleier
Um manch zerriss'nes Herz.«

O weh! die Glocken melden
Uns treuer Kämpfer Tod.
Sie schliefen ein, die Helden,
Vom eignen Blute rot.

Ihr Herzen, treu und reine,
Ihr Herzen, fromm und kühn,
Nehmt hin die Tränen meine,
Nehmt meine Liebe hin!

Mein Danken, Weheklagen,
Mein tiefbewegtes Herz -
Ach, nehmt's: ihr sollt es tragen
Zum Vater himmelwärts.

Mit euerm Christenmute
Errangt ihr ew'gen Ruhm;
Aus euerm Herzensblute
Sprießt uns der Freiheit Blum'.

Ihr habt mit reinem Triebe,
Ihr Edlen, uns geliebt:
Das ist die echte Liebe,
Die Blut zum Opfer giebt.

Ihr seid uns nicht gestorben,
Ihr seid uns ewig nah,
Die Kron' habt ihr erworben;
Heil euch und Gloria!

Matthias Claudius

Der Sämann säet den Samen, 
die Erde empfängt ihn, und über ein kleines 
keimet die Blume herauf.
Du liebtest sie. Was auch das Leben 
sonst für Gewinn hat, war klein dir geachtet, 
und sie entschlummerte dir.
Was weinest du neben dem Grabe 
und hebst die Hände zur Wolke des Todes 
und der Verwesung empor?
Wie Gras auf dem Felde sind Menschen 
dahin, wie Blätter, nur wenige Tage 
gehn wir verkleidet einher!
Der Adler besucht die Erde 
doch säumt er nicht, schüttelt vom Flügel den Staub und 

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