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2013-11-26

Fabeln d. Aufklärung-T1- F.v.Hagedorn: Die Henne u.d. Smaragd (11)





Die Henne und der Smaragd

Des Glückes häm’scher Eigensinn
Wirft viele Schätze dieser Erden
Unwürdigen Besitzern hin,
Durch Reichtum lächerlich zu werden.

Wo findet beides sich zugleich:
Geld und Verstand zu edlen Taten?
Vielleicht im tausendjähr’gen Reich,
In Wahrheit nicht in unsern Staaten.

Aus eines Bischofs Schatz verlor sich ein Smaragd,
In dem ein helles Grün mit reinen Farben spielte,
Den, wegen strahlenreicher Pracht,
Ein jeder, der ihn sah, für unvergleichlich hielte.
Dies Kleinod fand ein weiblich Tier,

Das von dem leichten Volk, so sich in Federn kleidet,
Des Kammes kronengleiche Zier,
Die Wachsamkeit (die Phyllis nie beneidet)
Und treue Dummheit unterscheidet;
Das blinde Gütigkeit von guten Männern borgt,
Und Junge fremder Art, als seine Zucht, versorgt.

Was tat die Henne hier? Sie fand.
Sie fand; und finden ist die Kunst von vielen Erben;
Doch beider Fund wird übel angewandt:
Denn jene scharrt den Stein in Sand,
Und diesen kann ihr Gut kein wahres Glück erwerben.

Die Fabel von dem Huhn und von dem Diamant
War mir und dir und tausenden bekannt.
Mein Freund! den Einwurf kannst du sparen,
Sie war bekannt vor tausend Jahren:
Ihr ändert nur mein Reim die äußere Gestalt;
Und keine Wahrheit wird zu alt.







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