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2013-11-01

Gedichte von J.W.v.Goethe: Rettung (14)







Rettung 1774

 Erstdruck 1775

Mein Mädchen ward mir ungetreu,
Das machte mich zum Freudenhasser;
Da lief ich an ein fließend Wasser,
Das Wasser lief vor mir vorbei.

Da stand ich nun, verzweiflend, stumm;
Im Kopfe war mir’s wie betrunken,
Fast wär ich in den Strom gesunken,
Es ging die Welt mit mir herum.

Auf einmal hört ich was, das rief-
Ich wandte just dahin den Rücken
Es war ein Stimmchen zum Entzücken:
„Nimm dich in acht! Der Fluß ist tief.“

Da lief mir was durchs ganze Blut,
Ich seh, so ist’s ein liebes Mädchen;
Ich fragte sie: „Wie heißt du?“ - „Käthchen!“
„O schönes Käthchen! Du bist gut.

Du hältst vom Tode mich zurück,
Auf immer dank ich dir mein Leben;
Allein das heißt mir wenig geben,
Nun sei auch meines Lebens Glück!“

Und dann klagt ich ihr meine Not,
Sie schlug die Augen lieblich nieder;
Ich küsste sie und sie mich wieder,
Und - vorderhand nichts mehr von Tod.





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