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2013-11-06

Gedichte zum Thema Baum von Hölderlin und Lenau (2)







Friedrich Hölderlin

An einen Baum

 ... und die ewigen Bahnen

Sonne und Mond und Sterne, und auch die Blitze der Wolken
Spielten, des Augenblicks feurige Kinder, um uns,
Aber in unsrem Innern, ein Bild der Fürsten des Himmels,
Wandelte neidlos der Gott unserer Liebe dahin,
Und er mischte den Duft, die reine, heilige Seele,
Die, von des Frühlinges silberner Stunde genährt,
Oft überströmte, hinaus ins glänzende Meer des Tages,
Und in das Abendrot und in die Wogen der Nacht,
Ach! wir lebten so frei im innig unendlichen Leben,
Unbekümmert und still, selber ein seliger Traum,
Jetzt uns selber genug und jetzt ins Weite verfliegend
Aber im Innersten doch immer lebendig und eins.
Glücklicher Baum! wie lange, wie lange könnt ich noch singen
Und vergehen im Blick auf dein erbebendes Haupt,
Aber siehe! dort regt sichs, es wandeln in Schleiern die Jungfraun
Und wer weiß es, vielleicht wäre mein Mädchen dabei;
Laß mich, laß mich, ich muß – lebwohl! es reißt mich ins Leben,
Das ich im kindischen Gang folge der lieblichen Spur,
Aber du Guter, dich will, dich will ich nimmer vergessen,
Ewig bist du und bleibst meiner Geliebtesten Bild.
Und käm einmal ein Tag, wo sie die meinige wäre,
O! dann ruht ich mit ihr, unter dir, Freundlicher, aus
Und du zürnetest nicht, du gössest Schatten und Düfte
Und ein rauschendes Lied über die Glücklichen aus.
Nikolaus Lenau

Der Baum der Erinnerung

 Ja, du bist es, blütenreicher
 Baum, das ist dein süßer Hauch!
 Ich auch bin‘s, nur etwas bleicher,
 Etwas trauriger wohl auch.

Hinter deinen Blütenzweigen
 Tönte Nachtigallenschlag,
 Und die Holde war mein eigen,
 Die an meinem Herzen lag.

 Und wir meinten selig beide,
Und ich meint‘ es bis zur Stund’,
 Das so herrlich du vor Freude
 Blühtest über unsern Bund.

 Treulos hat sie mich verlassen;
 Doch du blüh‘st wie dazumal,
Kannst dich freilich nicht befassen
 Mit der fremden Liebesqual.

 „Allzulieblich scheint die Sonne,
 Weht der linde Maienwind,
 Und das Blühen und die Wonne
Allzubald vorüber sind!“

 Mahnend säuseln mir die Lehre
 Deine frohen Blüten zu;
 Doch ungläubig fließt die Zähre,

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