> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zum Thema Natur von W.Busch, Bierbaum, Löns und Heyse (18)

2013-11-02

Gedichte zum Thema Natur von W.Busch, Bierbaum, Löns und Heyse (18)







 Wilhelm Busch

Man ist ja von Natur kein Engel,
    Vielmehr ein Welt- und Menschenkind,
Und rings umher ist ein Gedrängel
    Von Solchen, die dasselbe sind.

In diesem Reich geborner Flegel,
    Wer könnte sich des Lebens freun,
Würd es versäumt, schon früh die Regel
    Der Rücksicht kräftig einzubläun.

Es saust der Stock, es schwirrt die Rute.
    Du darfst nicht zeigen, was du bist.
Wie schad, o Mensch, das dir das Gute
    Im Grunde so zuwider ist. 
 Otto Julius Bierbaum

Natur, mein Freund, ist immer sittlich

Natur, mein Freund, ist immer sittlich.
Der Staatsanwalt freilich ist unerbittlich.
Jüngst hat er ein Andachtsbuch konfisziert,
Weil sich zwei Fliegen drauf kopuliert.
Hermann Löns

Musik mit Natur

Es wird noch nicht genug getutet
In unserer lieben Leinestadt,
Noch immer der Georgengarten
Nicht Militärkonzerte hat.

Dort singen bloß die Nachtigallen
Und Amsel, Drossel, Star und Fink,
Das ist doch nichts, denn wieviel feiner
Klingt's Schnedderengteng und Tschingdingding.

Piepmätze hat ja jedes Bierdorf,
Die Großstadt aber ist verwöhnt,
Uns kann nur ein Konzert begeistern,
Das ord'ntlich knallt und klingt und dröhnt.

Das ist poetisch, schnedderedderengteng,
Das ist so reizend, rattabum,
O welche Wonne, tsataszingda,
O, welche Lust, tsarummschrummschrum.
Paul Heyse

Nach der Natur

 Pinsel, Griffel und Meißel und was irgend
Macht hat, schwankende Formen festzubannen,
Euch beneidet der Kiel des armen Dichters.
Denn er müht sich vergebens, nachzukritzeln,
Was soeben geschaut die sel'gen Augen.
Weiß denn einer, wie reizend keck das Dirnchen
Auf dem Eselchen thronte, wenn ich melde,
Das sie zwischen den Körben saß, das eine
Veinchen über des Tiers geduld'gen Rücken,
Frei das andere baumelnd, das ihr rotes
Röcklein über die Wade sich hinaufzog?
Und so saß sie mit vorgeneigten Schultern,
In die Rechte geschmiegt das Kinn, am kleinen
Finger saugend, verträumt und aus der Wimpern
Schwarzer Seidengardine Blitze sprühend;
Und so ritt sie dahin die wind'ge Gasse,
Das am Busen das Tuch sich löst' und flatternd
Halb den kräftig gewölbten Nacken freigab,
Jenen Nacken der Mädchen von Albano,
Drüber üppig geringelt hängt die Flechte,
Wie ein Drache, den stolzen Schatz zu hüten –
Kommt und seht und verzweifelt, arme Dichter!

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