> Gedichte und Zitate für alle: G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: Dem deutschen Volk (22)

2013-11-23

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: Dem deutschen Volk (22)






Dem deutschen Volk

Deutschland, o zerrissen Herz,
Das zu Ende bald geschlagen,
Nur um Dich noch will ich klagen
Und in einer Brust von Erz
Schweigend meinen kleinen Schmerz,
Meinen kleinen Jammer tragen,
Vaterland, um Dich nur klagen.

Lustig grünt Dein Nadelholz,
Lustig rauschen Deine Eichen;
In den sechs und dreißig Reichen
Fehlt ein einzig Körnchen Golds:
Freier Bürger hoher Stolz
Fehlt im Lande sonder Gleichen,
In den sechs und dreißig Reichen.

Wenn ein Sänger für Dich focht,
Wenn ein Mann ein Schwert geschwungen,
Hast Du scheu nur mitgesungen,
Hast Du schüchtern mitgepocht;
Und man hat Dich unterjocht,
Hat Dich in den Staub gezwungen,
Weil Du gar so still gesungen.

Ihr beweinetes und bereutes --
Und das nennt ihr deutsche Treue?
Laßt die Tränen, laßt die Reue,
Soll nicht einst der Enkel Deuts
Sterben an der Zwietracht Kreuz,
Kämpfe' und handle, Volk, aufes Neue,
Denn der Teufel ist die Reue!

Tritt in Deiner Fürsten Reihn!
Sprich: die sechs und dreißig Lappen
Sollen wieder besser klappen
Und Ein Heldenpurpur sein;
Ein Reich, wie Ein Sonnenschein!
Ein Herz, Ein Volk und Ein Wappen!
Helfe uns Gott -- so soll es klappen.





alle Gedichte von Herwegh                                                                                   weiter


Einführung in die Dichtung

Keine Kommentare: