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2013-11-25

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: An den König von Preußen (35)





An den König von Preußen

Einst hat ein besserer Mann gewagt,
Mit seinem Lied vor Dich zu treten;
Du kennst Ihn, der so unverzagt
Die Tyrannei bei Dir verklagt
Und Dich um Deinen Schutz gebeten,
Um Schutz für jenes arme Land,
Das blutend vor dem Himmel stand
Und keine, keine Hilfe fand,
Als die Verzweiflung der Poeten.

O lebt Er noch, er würde heute
Dich aus dem süßen Schlummer stören;
Ob alle Welt Dir Weihrauch streut
Und jeden Siegerkranz Dir beute,
Sein stolzes Herz würde' sich empören.
Er spräche dem falschen Jubel Hohn
Und nahte zornig Deinem Thron;
Tot ist der Vater, und der Sohn,
Der Mächtige, müßte Ihn hören.

Doch Platen schläft am fernen Meer,
Und Polen ist durch uns verloren;
In Ehrfurcht trete Ich zu Dir her,
Wirf nach dem Dichter nicht den Speer,
Weil eine Hütte ihn geboren,
Weil er vor Dir, dem Fürst, den Mut,
Zu flehen für Dein eigen Gut,
Zu flehen für Dein eigen Blut,
Füres deutsche Volk, dem Du geschworen!

Sieh, wie die Jugend sich verzehrt
In Gluten eines Meleagros,
Wie sie nach Kampf und Tat begehrt --
O drück in ihre Hand ein Schwert,
Führe aus den Städten sie ins Lager!
Und frage nicht, wo Feinde sind;
Die Feinde kommen mit dem Wind:
Behüte uns vor dem Frankenkind
Und vor dem Zaren, Deinem Schwager!

Die Sehnsucht Deutschlands steht nach Dir,
Fest, wie nach Norden blickt die Nadel;
O Fürst, entfalte Dein Panier;
Noch ist es Zeit, noch folgen wir,
Noch soll verstummen jeder Tadel!
Fürwahr, fürwahr, Du tust nicht Recht,
Wenn Du ein moderndes Geschlecht,
Wenn Du zu Würden hebst den Knecht;
Nur wer ein Adler, sei von Adel!

Lass, was den Würmern längst verfiel,
In Frieden bei den Würmern liegen;
Dir wurde ein weiter, höher Ziel,
Dir wurde ein schöner Ritterspiel,
Als krumme Lanzen gerade zu biegen.
Sei in des Herren Hand ein Blitz,
Schlage in der Feinde schnöden Witz,
Schon tagt ein neues Austerlitz,
Magst Du in seiner Sonne siegen!

Das ratlos auseinanderirrt,
Mein Volk soll Dir entgegenflammen;
Stehe auf und sprich: "Ich bin der Hirte,
Der Eine Hirte, der Eine Wirt,
Und Herz und Haupt, sie sind beisammen!“
Das West und Ost, das Nord und Süden --
Wir sind der vielen Worte müde;
Du weißt, wonach der Deutsche glüht, --
Wirst Du auch lächeln und verdammen ?

Der Fischer Petrus breitet aus
Aufs Neue seine falschen Netze;
Wohlan, beginn mit ihm den Strauß,
Damit nicht einst im deutschen Haus
Noch gelten römische Gesetze!
Bei jenem großen Friedrich! nein,
Das soll doch nun und nimmer sein.
Dem Pfaffen bleibe nicht der Stein,
An dem er seine Dolche wetze.

Noch ist es Zeit, noch kannst Du stehen
Dem hohen Ahnen an der Seite,
Noch kannst Du treue Herzen sehen,
Die gern mit Dir zum Tode gehen,
Zum Tod im heiligen Streite.
Du bist der Stern, auf den man schaut,
Der letzte Fürst, auf den man baut;
O Eile' Dich! ehe der Morgen graut,
Sind schon die Freunde in der Weite.

Nun schweig, du ehernes Gedicht!
Des Fürsten Mund wird bitter schmollen.
Ich weiß, man hört die Sänger nicht,
Man stellt die Freien vor Gericht
Und wirft sie in die Schar der Tollen.
Gleichviel -- wie er auch immer schmollt,
Ich habe getan, was ich gesollt;
Und wer, wie ich, mit Gott gegrollt,
Darf auch mit einem König grollen.






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