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2013-11-22

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: An die Verstorbenen (1)






An die Verstorbenen


O Ritter, toter Ritter,
Lege Deine Lanze ein!
Sie soll in tausend Splitter
Von mir zertrümmert sein.
Heran auf Deinem Rappen,
Du bist ein arger Schalk,
Trotz Knappen und Trotz Wappen,
Trotz Falk und Katafalk!

Ich stehe nicht bei dem Trosse,
Der räuchernd vor Dir schweigt,
Weil Du ein Herz für Rosse
Und füres Kamel gezeigt;
Baschkire oder Mandschu --
Was schiert mich Deine Welt?
Ich schleudre meinen Handschuh
Dir in Dein ödes Zelt.

Dem Reich der Mamelucken
Weissagst Du Auferstehen,
Und sähest ohne Zucken
Dein Vaterland vergehen;
Doch wiegtest unter Palmen
Du Dein Prophetenhaupt,
Wenn nicht aus unseren Halmen
Du erst Dein Gold geraubt?

Du steuerst nun so lange
Im Weltmeer aus und ein,
Und wurde es nie Dir bange,
Daß Du so klein, so klein?
Ist er Dir nie erschienen,
Der Fürst von Ithaka,
Wenn Deine Sündermienen
In seinem Reich er sah?

Und sprach er nie mit Grollen:?
"Fort aus dem freien Meer!
„Wirf nicht in seinen Schollen
„Dein Lügenkorn umher!
„Zieh Heim an Deine Pleisse,
„Zieh Heim an Deine Spree;
„Nicht jede Fürstenreise
„Ist eine Odyssee.“

Wohl ist er unerreichbar
Der göttliche Ulysses,
Doch Du bist ihm vergleichbar
Am wenigsten gewiß.
Im Saus nicht und im Brause
Hat er die Zeit verdehnt,
Er hat sich stets nach Hause
Zu Weib und Volk gesehnt.

Für Deines Volkes Rechte,
Wie fochtest Du so schlecht!
Du standest im Gefechte --
Ja, für das Türkenrecht;
Du stirbst auch auf dem Schilde,
Ja, auf dem Wappenschild;
Klage nicht, daß Deine Gilde
Fortan bei uns Nichts gilt!

Den Marmor bringt Carrara
Noch nicht für den hervor,
An den der Niagara
Den Donner selbst verlor,
Der nur in alle Fernen
Zu seiner Schmach gereist,
Und noch vor Gottes Sternen
Auf seine Sternchen weist.

O Ritter, schlechter Ritter,
Lege Deine Lanze ein!
Sie soll in tausend Splitter
Von mir zertrümmert sein.
Lass ab, lasse ab und spähe
Nicht nach der Wüsste Sand!
Ich setze in der Nähe
Dich in Dein Vaterland.


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Einführung in die Dichtung

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