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2013-11-24

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: An die deutschen Dichter (25)





An die deutschen Dichter

Seid stolz! es klingt kein Gold der Welt,
Wie Eurer Saiten Gold;
Es ist kein Fürst so hoch gestellt,
Daß Ihr ihm dienen sollt!
Trotz Erz und Marmor stürbe' er doch,
Wenn Ihr ihn sterben ließet;
Der schönste Purpur ist annoch
Das Blut, das Ihr als Lied vergießet!

Der Ruhm der Herrscher wird verweht --
Lobpreise ihn, wer da will!
Man jagt und spornt ihn, doch er steht
Mit ihrem Herzen still.
O laßt sie donnern fort und fort!
An ihrem Grab verhallt es.
Ihr Dichter, sprecht Ein grollend Wort,
Und zu dem ew'gen Gotte schallt es!

Es hat dem Vogel in dem Nest
Der Himmel nie gewankt;
Den Mächtigen dünkt er nur fest,
So lang' der Thron nicht schwankt!
Palast und Purpur hin und her,
Ob Glanz sie überschütte --
Seid stolz, seid stolz, Ihr seid ja mehr;
Seid Ihr nicht Könige der Hütte?

Blitzt ewig nicht der Tau im Feld,
Gleich wie der Diamant?
Ist nicht ob dieser ganzen Welt
Ein Baldachin gespannt?
Wiegt nicht die Rebe, die hinauf
An einem Strohdach gleitet,
Den unfruchtbaren Efeu auf,
Der sich um Zwingherrnburgen breitet?

Hoch, Sänger, schlage Euer Herz,
Wie Lerchen in der Luft!
Es ruht sich besser allerwärts,
Als in der Fürstengruft.
Ein Liebchen, das die Treue bricht,
Ist überall zu finden;
Verschmähet mir die Ringe nicht,
Doch laßt Euch nie an Ketten binden!

Dem Volke nur seid zugetan,
Jauchzt ihm voran zur Schlacht,
Und liegtes verwundet auf dem Plan,
So pflegt sein und wacht!
Und so man ihm den letzten Rest
Der Freiheit will verkümmern,
So haltet nur am Schwerte fest,
Und laßt die Harfen uns zertrümmern!






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