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2013-11-23

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: Vive le Roi! (20)






Vive le Roi !


 Vive le roi ! .... Wie haben Trugpropheten
Mit diesem Lügenwunsch ihn doch berauscht!
Wie gierig haben stets bei seinen Feten
Furcht, Interesse, Eitelkeit gelauscht!
Ich mag den Herren ihre Kreuze gönnen,
Wenn ich sie so zu Hofe traben sehe',
Und stehe' bei Seite, um rufen noch zu können:
 Vive la liberté !

 Vive le roi ! .... So hatten Höflings-Weise
Dem Hochmut eines Erdengotts gefrönt;
Wie wurde ihr lauter Jubel doch so leise,
Als drauf der Leoniden Ruf ertönt!
O heileger Ruf, der noch in unseren Tagen
So prächtig klingt, wie bei Thermopille;
Auch unsere Fahne soll als Wahlspruch tragen:
 Vive la liberté !

Vive le roi ! .... Wie oft mußt' das erschallen
Von unseren Burgen, wenn am eigenen Herd
In ihres Fürsten Namen die Vasallen
Erwürgte unserer Gnedt'gen Herren Schwert!
Noch heben nächtlich sie bei Mondschimmer
Die Blut'gen Klingen fluchend in die Höhe,
Doch lächelnd schreibt der Wanderer auf die Trümmer:
Vive la liberté !

 Vive le roi ! ... Ha! so erstickt der Sklave
Der Rache Ruf im eitlen Refrain;
Daß ja das ew'ge Kind recht ruhig schlafe,
Seht ihr, so wiegt man einen Fürsten ein!
Doch bricht das Wetter aus, so lang beschworen,
Ist er verlassen, ohne Schmeichler -- Weh!
Dann donnert ihm vernichtend in die Ohren:
 Vive la liberté !




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