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2013-11-13

Th.Körner-Schwert und Leier: Auf dem Schlachtfelde von Aspern (5)






Auf dem Schlachtfelde von Aspern

1812

Schlachtfeld ! wo der Todesengel würgte,
Wo der Deutsche seine Kraft verbürgte,
Heiliger Boden! dich grüßt mein Gesang!
Frankreichs stolze Adler sahst du zittern,
Sahst des Wüterichs Eisenkraft zersplittern,
Die sich frech die halbe Welt bezwang. --
Euch! ihr Manen der gefallenen Helden,
Deren Blick im Siegesdonner brach,
Rufe ich in den Frühling eurer Welten
Meines Herzens ganzen Jubel nach.

Daß ich damals nicht bei euch gestanden! --
Daß, wo Brüder Sieg und Freiheit fanden,
Ich trotz Kraft und Jugend doch gefehlt!
Glückliche, die ihr den Tag erfochten,
Ewige Lorbeern habt ihr euch geflochten,
Zum Triumph des Vaterlands erwählt. --
Schwarz und traurig wie auf Grabestrümmern
Wälzt auf Deutschland sich des Schicksals Macht,
Doch begeisternd wie mit Sternschimmern
Bricht der eine Tag durch unsere Nacht.

Sonnenhauch in düstern Nebeljahren!
Deine Strahlen laß uns treu bewahren,
Als Vermächtnis einer stolzen Zeit.
Überall im großen Vaterlande
Von der Ostsee bis zum Donaustrande,
Macht dein Name alle Herzen weit.
Aspern klingt, und Karl klingt siegestrunken,
Wo nur deutsch die Lippe lallen kann.
Nein Germanien ist nicht gesunken,
Hat noch einen Tag und einen Mann.

Und so lange deutsche Ströme sausen,
Und so lange deutsche Lieder brausen,
Gelten diese Namen ihren Klang.
Was die Tage auch zerschmettert haben
Karl und Aspern ist ins Herz gegraben
Karl und Aspern donnert im Gesang.
Mag der Staub gefallener Helden modern,
Die dem großen Tode sich geweiht,
Ihres Ruhmes Flammenzüge lodern,
In dem Tempel der Unsterblichkeit.

Aber nicht, wie sie die Nachwelt richte,
Nicht die ewige Stimme der Geschichte,
Reißt der Mitwelt große Schuld entzwei.
Ihre Todesweihe lebt im Liede,
Doch umsonst such ich die Pyramide,
Die der Denkstein ihrer Größe sei.
Auf dem Wahlplatz heiligten die Ahnen,
Ihrer Eichen stolze Riesenpracht,
Und die Irmensäule der Germanen,
Sprache von der geschlagenen Römerschlacht.

In dem blutigen Tal der Thermopylen,
Wo der Griechen freie Scharen fielen,
Grubes in Marmor ihrer Brüder Dank:
"Wanderer! sag den kinderlosen Eltern
„Daß füres Vaterland auf diesen Feldern
„Spartaes kühne Heldenjugend sank! -- “
Und Jahrtausende sind Staub geworden,
Jenes Marmors heilige Säule brach,
Doch in triumphierenden Akkorden,
Riefenes die Jahrhunderte sich nach.

Und erzählten trotz dem Sturmgetöse,
Ihrer Zeit von der Heroen Größe,
Der Gefallenen und von Spartaes Dank. --
Groß war Griechenland durch seine Helden,
Aber größer noch durch sein Vergelten,
Wenn der Bürger für die Freiheit sank.
Jenseits lohnt ein Gott mit ewigen Strahlen,
Doch das Leben will auch seinen Glanz.
Nur mit Irdischem kann die Erde zahlen,
Und der Ölzweig windet sich zum Kranz.

Darum soll es die Nachwelt laut erfahren,
Wie auch deutsche Bürger dankbar waren,
Wie wir der Gefallenen Tat erkannt,
Daß ihr Tod uns Lebende ermuthet,
Daß sie für Unwürdige nicht geblutet,
Das beweise, deutsches Vaterland! --
Deine Sänger laß in Liedern stürmen,
Und zum Steine füge kühn den Stein,
Und die Pyramide laß sich türmen
Der gefallenen Brüder wert zu sein.

Nur glaube nie, du schmücktest ihre Krone,
Wenn du deine goldenen Pantheone,
Über ihre Grabeshügel wölbst!
Stolzes Volk! -- denkst du mit Marmorhaufen
Deines Dankes Schuldbrief abzukaufen? --
Deine Kuppeln ehren nur dich selbst.
Nur das Ewige kann das Ewige schmücken,
Erdenglanz welkt zur Vergessenheit.
Was die Zeiten brechen und erdrücken
Ist gemein für die Unsterblichkeit.

Aber, Deutschland, um dich selbst zu ehren,
Nicht den eigenen Tempel zu zerstören,
Den die angeerbte Kraft gebaut,
Zeige dich wert der großen Todesweihe,
Dich, Germania, in alter Treue,
Männerstolze, kühne Heldenbraut!
Friedlich Volk brich aus den kalten Schranken,
Warm und frei, wie dich die Vorwelt kennt.
Auf den Feldern, wo die Adler sanken,
Türme deines Ruhmes Monument.

Sieh umher bei fremden Nationen,
Wie sie dort ein mutig Werk belohnen,
Wie der Marmor in den Tempeln glänzt.
Jeder Sieg aus dunkler Wissenssphäre,
Drängt sich in das Pantheon der Ehre,
Und der kühne Künstler steht bekränzt. --
Aber gibt es einen Preis im Leben
Wo hinan nicht dieser Kampf gereicht? --
Gut und Blut für Volk und Freiheit geben,
Nenne die Tat, die sich der Tat vergleicht! --

Darum mein Volk, magst du den Aufruf hören,
Österreich! deine Toten sollst du ehren!
Wer zum deutschen Stamme sich bekennt,
Reiche stolz und freudig seine Gabe,
Und so baue sich auf ihrem Grabe,
Ihrer Heldengröße Monument;
Daß es die Jahrhunderte sich sagen,
Wenn die Mitwelt in den Strudel sank:
Diese Schlacht hat deutsches Volk geschlagen ,
Dieser Stein ist deutschen Volkes Dank .






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