> Gedichte und Zitate für alle: Th.Körner-Schwert und Leier: Bei der Musik des Prinzen Louis Ferdinand (9)

2013-11-13

Th.Körner-Schwert und Leier: Bei der Musik des Prinzen Louis Ferdinand (9)






Bei der Musik des Prinzen Louis Ferdinand

1812

Düstere Harmonien höre ich klingen,
Mutig schwellen sie ans volle Herz,
In die Seele fühle ich sie mir dringen,
Wecken mir den vaterländischen Schmerz.
Und mit ihren früh geprüften Schwingen,
Kämpfen sie im Sturme himmelwärts,
Doch sie tragen nur ein dunkles Sehnen,
Nicht den Geist aus diesem Land der Tränen.

Allgewaltig hält ihn noch das Leben,
Taucht die Flügel in den stygischen Fluß.
Es ist nicht der Künste freies Schweben,
Nicht verklärter Geister Weihekuß.
Noch dem Erdgeist ist er Preis gegeben,
Mit dem Staube kämpft der Genius,
Reißt er auch im Rausche der Gedanken,
Oft sich blutend los aus seinen Schranken.

Dann ergreift ihn ein bacchantisch Wüten,
Wilde Melodienblitze sprühen,
Aus dem Tode ruft er Strahlenblüten,
Und zertritt sie kalt, sobald sie blühn.
Wenn die letzten Funken bleich verglühten,
Hebt er sich noch einmal, stolz und kühn,
Und versinkt dann mit gewaltigem Schauren,
In den alten Kampf mit dem Kentauren.

Wilder Geist! jetzt hast du überwunden,
Deine Nacht verschmilzt in Morgenrot,
Ausgekämpft sind deiner Prüfung Stunden,
Leer der Kelch, den dir das Schicksal bot.
Kunst und Leben hat den Kranz gewunden,
Auf die Locken drückte ihn der Tod.
Deinen Grabstein kann die Zeit zermalmen,
Doch die Lorbeern werden dort zu Palmen.

Und dein Sehnen klagte nicht vergebens,
Einmal wurde_es in deiner Seele Tag,
Als dein Herz am kühnsten Ziel des Strebens
Kalt und blutend auf der Walstatt lag.
Sterbend löste sich der Sturm des Lebens,
Sterbend löste sich der Harfe Schlag,
Und des Himmels siegverklärte Söhne
Trugen dich ins freie Land der Töne.







Einführung Schwert und Leier                                                                                  weiter   

alle Gedichte von T.Körner   

Keine Kommentare: