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2013-11-16

Th.Körner-Schwert und Leier: Männer und Buben (36)






Nachtrag
aus des Dichters Nachlasse

Männer und Buben

Nach der Weise: Brüder mir ist alles gleich etc.

Das Volk steht auf, der Sturm bricht los,
Wer legt noch die Hände feig in den Schoß?
Pfui über dich Buben hinter dem Ofen,
Unter den Schranzen und unter den Zofen!
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht.
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wenn wir die Schauer der Regennacht
Unter Sturmpfeifen wachend vollbracht,
Kannst du freilich auf üppigen Pfühlen
Wollüstig träumend die Glieder fühlen.
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht;
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann!

Wenn uns der Trompeten rauher Klang,
Wie Donner Gottes zum Herzen drang,
Magst du im Theater die Nase wetzen,
Und dich an Trillern und Laufern ergötzen,
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht,
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht;
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann!

Wenn die Glut des Tags versengend drückt,
Und uns kaum ein Tropfen Wasser erquickt,
Kannst du Champagner springen lassen,
Kannst du bei brechenden Tafeln prassen.
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht,
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann.

Wenn wir vor'm Drange der würgenden Schlacht
Zum Abschied anes ferne Treuliebchen gedacht,
Magst du zu deinen Mätressen laufen,
Und dir mit Golde die Lust erkaufen.
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht,
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann!

Was uns bleibt, wenn unser Blut vergebens
Wenn die Kugel pfeift, wenn die Lanze saust,
Wenn der Tod uns in tausend Gestalten umbraust,
Kannst du am Spieltisch dein Septleva brechen,
Und mit der Spadille die Könige stechen.
Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht,
Ein deutsches Mädchen küßt dich nicht,
Ein deutsches Lied erfreut dich nicht,
Und deutscher Wein erquickt dich nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann.

Und schlägt unser Stündlein im Schlachtenrot,
Willkommen du seliger Soldatentod!
Du verkriechst dich in seidene Decken,
Winselnd vor der Vernichtung Schrecken,
Stirbst als ein ehrlos erbärmlicher Wicht,
Ein deutsches Mädchen beweint dich nicht,
Ein deutsches Lied besingt dich nicht,
Und deutsche Becher klingen dir nicht.
Stoßt mit an,
Mann für Mann,
Wer den Flammberg schwingen kann!







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