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2013-12-18

Fabeln d. Aufklärung-T3-Der Bauer und der Fuchs v. L.H.v.Nicolay (55)




Der Bauer und der Fuchs

Ein hart gejagter Fuchs kam einst zu einer Hütte,
Vor welcher gleich ein Bauer stand.
Der Lagerholz in Büschel band.
"Gewähre mir aus Mitleid eine Bitte
Verbirg mich, bis die Hunde sich zerstreun,
In deinem Haus!" — Ihn lässt der Bauer ein.
"Auch schwöre mir, auf alle Fragen
Der Jäger, nicht ein Wort von mir zu sagen."
Er schwört. Sie kommen. "Freund, kam nicht ein Fuchs hierher?

Ein Trinkgeld, wenn du weißt, wohin er sich geschlagen!"
Er schweigt. Wer wird den Meineid wagen?
Doch statt der Worte, weiset er
Mit Fingern und mit Blicken auf die Hütte.
Die Jäger merken nicht darauf,
Und setzen den gehemmten Lauf
Im Walde fort. Kaum sind sie hundert Schritte
Davon, so kriecht mein Fuchs heraus.
Zieht aus, und schweigt. "Infames Tier! mein Haus
Gestatt' ich dir, ich rette dir das Leben,
Und du, so bricht der Bauer aus,
Du fliehest, ohne mir nur einen Dank zu geben."

Der Fuchs zu ihm sich wendend spricht:
"Wahr ist's, die Zunge schwieg; doch was die Jäger nicht
Gesehen, sah doch ich. Dir möcht' ich, falscher Wicht!
Die Augen aus dem Kopfe reißen,
Die Finger von den Händen beißen:
Denn bessern Dank verdienst du nicht."





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