> Gedichte und Zitate für alle: Fabeln d. Aufklärung-T3-Der Esel und der Stier v. F.W.Zachariae (56)

2013-12-18

Fabeln d. Aufklärung-T3-Der Esel und der Stier v. F.W.Zachariae (56)





Der Esel und der Stier

Der Esel ging einst auf der Weide
Mit einem Stier: Da hörten beide
Viel Lärm als wie von einem Heer
Und in den Dörfern rund umher
Zu Sturm mit allen Glocken läuten.
„Was“ , sprach Herr Heinz, „mag das bedeuten?“
„Ach Freund“ , erwidert ihm der Stier,
„Ich zittre schon, der Feind ist hier!
Laß uns sogleich von hinnen fliehn,
Bis daß die Plündrer weiterziehn;
Bekämen sie uns hier zu fassen,
Wir müßten beide Haare lassen.“
Der Esel sprach hierauf: „Ei nun!
Willst du entfliehn, das kannst du tun.
Dir grauet, daß du wirst erstochen
Und sie dich schlachten, schinden, kochen,
Vor diesem allen bin ich frei.
Mein Schicksal bleibt stets einerlei,
Und ich muß unter gleichen Plagen
Die Säcke doch zur Mühle tragen.“

Kalt sieht sehr oft der Untertan
Den Feind sich seinen Grenzen nahn.
Er weiß, ihm bleibet Sklaverei,
Sein Sieger sei auch, wer er sei.





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