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2013-12-19

Gedichte v. J.W.von Goethe: An Lotten (20)




An Lotten

Wenn einen sel’gen Biedermann,
Pastor oder Ratsherrn lobesan
Die Wittib läßt in Kupfer stechen
Und drunter ein Verslein radebrechen,
Da heißt’s : Seht hier von Kopf und Ohren
Den Herrn hochwürdig, wohlgeboren,
Seht seine Augen und seine Stirn.
Aber sein verständig Gehirn,
So manch Verdienst ums gemeine Wesen
Könnt ihr ihm nicht an der Nase lesen.

So, liebe Lotte, heißt’s auch hier:
Ich schicke da meinen Schatten dir.
Magst wohl die lange Nase sehn,
Der Stirne Drang, der Lippe Flehn,
is ’s ist ohngefähr das garstge Gesicht —
Aber meine Liebe siehst du nicht.






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Jugendlyrik Goethes

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