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2013-12-29

Gedichte v. M.H.Neiße: Nacht am Bergsee (14)





Nacht am Bergsee

Nachts fängt der See von Liebe an zu singen;
die Berge hören stumm, was er verspricht.
Die Uferschänken, müd vom Gläserklingen,
liegen im schweren Schlaf und stören nicht.
Auch eine kleine, schüchtern zarte Quelle
wagt sanft zu sagen, was sie sich ersehnt,
und zu des Wassers weißer Spiegelhelle
der Mond sich auf die Gipfelbrüstung lehnt,
wie eine Dame, die sich selbst bewundert
und ihre Perlen streut ins Wellenspiel.
Vor ihm versinkt Jahrhundert um Jahrhundert,
Mensch gilt und Fisch gleich wenig oder viel.
Und ich, Atom, verloren, vom Balkone
sehnsüchtig blickend auf den Brückenglanz,
den jetzt der Mond zur himmlischeren Zone
hinüberwirkt, betäubt vom Sternentanz,
verbrenn im Lichtermeer wie eine Mücke.
Doch sah ich noch, indes mein Auge brach,
den See in seinem hochzeitlichen Glücke
und wußte, daß er mir von Liebe sprach.






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