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2013-12-18

Gedichte von J.W.v.Goethe: Kenner und Enthusiast (5)






Kenner und Enthusiast

Ich führt’ einen Freund zum Maidel jung,
Wollt’ ihm zu genießen geben,
Was alles es hätt’, gar Freud’ genung,
Frisch junges warmes Leben.

Wir fanden sie sitzen an ihrem Bett,
Tat sich auf ihr Händlein stützen,
Der Herr der macht ihr ein Kompliment,
Tat gegen ihr über sitzen.
Er spitzt die Nas’, er sturt sie an,
Betracht sie hinüber, herüber,
Und um mich war’s gar bald getan,
Die Sinnen gingen mir über.

Der liebe Herr für allen Dank
Führt mich drauf in eine Ecken,
Und sagt, sie wär’ doch allzuschlank
Und hätt’ auch Sommerflecken.
Da nahm ich von dem Kind Adieu,
Und scheidend sah ich in die Höh’:
Ach Herre Gott, ach Herre Gott,
Erbarm’ dich doch des Herren!

Da führt’ ich ihn in die Galerie
Voll Menschenglut und Geistes.
Mir wird’s da gleich, ich weiß nicht
Mein ganzes Herz zerreißt es.
O Maler, Maler! ruf ich laut,
Belohn’ dir Gott dein Malen!
Und nur die allerschönste Braut
Kann dich für uns bezahlen.

Und sieh, da ging mein Herr herum
Und stochert sich die Zähne,
Registriert in Katalogum
Mir meine Göttersöhne.
Mein Busen war so voll und bang,
Von hundert Welten trächtig.
Ihm war bald was zu kurz, zu lang,
Wägt alles gar bedächtig.

Da warf ich in ein Eckchen mich
In süße Liebesbanden.
Um ihn versammelten Männer sich,
Die ihn einen Kenner nannten.





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Jugendlyrik Goethes

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