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2013-12-01

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: Georg Büchner I (89)





Zum Andenken an Georg Büchner

Die Guten sterben jung,
Und deren Herzen trocken, wie der Staub
Des Sommers, brennen bis zum letzten Stumpf.

I.
So hat ein Purpur wieder fallen müssen!
Hast eine Krone wiederum geraubt!
Du schonst die Schlangen zwischen Deinen Füßen
Und trittst den jungen Adlern auf das Haupt!
Du läßt die Sterne von dem Himmel sinken
Und Flittergold an Deinem Mantel blinken!
Sprich, Schicksal, sprich, was hast Du diesen Tempel
So früh in Schutt und Asche hingelegt?
So rein und frisch war dieser Münze Stempel --
Was hast Du heute schon sie umgeprägt?
O teurer, als im goldenen Pokale
Einst jene Perle der Kleopatra,
Lag eine Perle in dem Haupte da;
Der Mörder Tod schlich nächtlich sich ines Haus,
Der rohe Knecht zerbrach die zarte Schale
Und goß den hellen Geist als Opfer aus. --

Mein Büchner tot! Ihr habt mein Herz begraben!
Mein Büchner tot, als seine Hand schon offen,
Und als ein Volk schon harrte der Gaben,
Da wird der Fürst von jähem Schlag getroffen;
Der Jugend fehlt ein Führer in die Schlacht,
Um einen Frühling ist die Welt gebracht;
Die Glocke, die im Sturm so rein geklungen,
Ist, da sie Frieden lauten wollte, zersprungen.

Wer weint mit mir? Nein, -- Ihr begreift es nicht,
Wie zehnfach stets das Herz des Dichters bricht,
Wie blutend, gleich der Sonne, nur sich reißt
Von dieser Erde -- stets ein Dichtergeist,
Wie immer, wo er von dem Leib sich löste;
Sein eigener Schmerz beim Scheiden war der größte.
Ein Szepter kann man ruhig fallen sehen,
Wenn einmal nur mit ihm die Hand gespielt,
Von einem Weibe kann man lächelnd gehen,
Wenn man_es nur einmal in den Armen hielt;
Der Todesstunde Qual sind jene Schemen,
Die wir mit uns in unsere Grube nehmen,
Die Geister, die am Sterbebette stehen,
Und uns um Leben und Gestaltung flehn,
Die schon die junge Morgenröte wittern
Und ihrem Werden bang entgegen zittern,
Des Dichters Qual die ungeborene Welt,
Der Keim, der mit der reifen Garbe fällt.

Ich will Euch an ein Dichterlager bringen.
Seht mit dem Tod ihn um die Zukunft ringen,
Seht seines Auges letzten Fieberstrahl,
Wie es so trunken in die Leere schaut
Und drein noch sterbend Paradiese baut!
Die Hand zuckt nach der Stirn noch einmal,
Das Herz pocht wilder an die schwachen Rippen,
Das Zauberwort schwebt auf den blassen Lippen --
Noch Ein Geheimnis möchte er uns entdecken,
Den letzten, größten Traum ines Dasein wecken. --
O Herr des Himmels, sei ihm jetzt nicht taub!
Noch eine Stunde gönne ihm, o Geschick!
Verlösche uns nicht des Propheten Blick!
Umsonst -- es bricht die müde Brust in Staub,
Und mit ihr wieder eine Freiheitsstütze,
Aufes stille Herz fällt die gelähmte Hand,
Daß sie im Tod noch vor der Welt es schütze;
Und die so reich vor seinem Geiste stand,
Er darf die Zukunft nicht zur Blüte treiben,
Und seine Träume müssen Träume bleiben;
Ein unvollendet Lied sinkt er ines Grab,
Der Verse schönsten nimmt er mit hinab.

Du stammst nun wieder nach durchbrochener Schranke
In Gottes Haupt ein leuchtender Gedanke;
Am kalten Herde sitzen wir allein,
Und weinen in die Asche still hinein.
O, mein Jahrhundert, sammle sie geschwind, --
Er war ein Held, und mehr: Er war Dein Kind!
An Deiner Brust hast Du ihn aufgesäugt,
Dein Banner einzig hat er ja geschwenkt;
Vor Dir allein hat er sein Knie gebeugt,
Vor Dir, vor Dir allein sein Schwert gesenkt;
Für Dich und mit Dir hat er kühn gestritten,
Für Dich und mit Dir hat er treu gelitten;
Um Deinetwillen stieß sein Vaterland
Ihn aus, gleich wie der Mutterbrunnen die Welle,
Daß sie am fremden, freudenlosen Strand
Mit allen Himmeln in der Brust zerschelle.
An fremdem, freudenlosem Strande, ja!
Denn wessen Herz stand hier dem seinen nah?

Wo scheu der Mensch den Fuß vom Boden hebt,
Und Fels und Stein allein nach oben strebt?
Wo doppelt, doppelt schön der Äther blaut
Und doppelt tief der Mensch zu Erde schaut,
Wo stolze Adler ihre Heimat haben,
Und wo am Ruder sitzen doch die Raben.
Der Alpen Kind, wie ist Dein Ruf verhallt!
Einst groß, wie sie, und jetzt, wie sie, nur kalt !
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