> Gedichte und Zitate für alle: G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: georg Büchner III (91)

2013-12-01

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: georg Büchner III (91)






III.

Was er geschaffen, ist ein Edelstein,
Drin blitzen Strahlen für die Ewigkeit;
Doch hätte er uns ein Leitstern sollen sein
In dieser halben, irregewordenen Zeit,
In dieser Zeit, so wetterschwül und bang,
Die noch im Ohr der Kindheit Glockenklang,
Und mit der Hand schon nach dem Schwerte zittert,
Zur Hälfte tot, zur Hälfte neugeboren,
Gleich einer Pflanze, die den Frühling wittert
Und ihre alten Blätter nicht verloren.
Er hätte -- aber gönnt ihm seine Ruhe!
Die Augen fielen einem Müden zu;
Doch hat er, funkelnd in Begeisterung,
Vom Himmelslichte trunken, sie geschlossen,
Der Dichtung Quelle hat sich voll und jung
Noch in den stillen Ozean ergossen.
Und eine Braut nahm ihn der anderen ab;
Vor der verhauchte er friedlich sanft sein Leben,
Die Freiheit trug den Jünger in das Grab,
Und legt sich bis zum jüngsten Tag daneben.
Auch nicht allein ist er dahingegangen,
Zwei Pfeiler unserer Kirche stürzten ein;
Erst als den freisten Mann die Gruft empfangen,
Senkt man auch Büchner in den Totenschrein.
Büchner und Börne! -- Deutsche Dioskuren,
Weh, daß der Lorbeer nicht auf deutschen Fluren
Für solch geweihte Häupter wachsen darf!
Der Wind im Norden weht noch rauh und scharf,
Der Lorbeer will im Treibhaus nur gedeihen,
Ein freier Mann holt sich ihn aus dem Freien!

O bleibe, Freund, bei deinem Danton liegen!
es ist besser, als mit unseren Adlern fliegen. --
Der Frühling kommt, da will ich Blumen brechen
Auf Deinem Grab und zu den Deutschen sprechen:
"Kein Held noch, noch kein Ziska oder Tell?
Und Eure Trommel noch das alte Fell?“






alle Gedichte von Herwegh                                                                                   weiter


Einführung in die Dichtung

Keine Kommentare: