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2013-12-01

G.Herwegh-Gedichte eines Lebendigen: Schlußlied (92)





Schlußlied

Was soll der Becher,
Ihr tobenden Zecher,
Was soll die funkelnde Flasche
In Eurer Hand?
Es trauert in Sack und Asche
Das Vaterland.

Was soll, ihr Bräute,
Das Jubelgeläute?
O heißt die Rosen erblassen
Am deutschen Strand?
Vom Bräutigam ist verlassen
Das Vaterland.

Was soll, ihr Fürsten,
Nach Kronen das Dürsten?
Zerreißt die goldenen Schnüre,
Das Prunkgewand!
Es frieret vor Eurer Türe
Das Vaterland.

Was macht, ihr Pfaffen,
Euch also zu schaffen?
Was soll uns jetzt das Beten?
O eitler Tand,
So lang in den Staub getreten
Das Vaterland!

Weh Euch, ihr Reichen,
Die nicht zu erweichen!
Ihr zählt die Rubel, die runden,
Im Sonnenbrand
Der Lazarus seine Wunden,
Das Vaterland.

Weh Euch, ihr Armen!
Was heischt Ihr Erbarmen?
Es liegen viel Edelsteine
Vor Euch im Sand,
Auch meine Tränen, auch meine,
Ums Vaterland.

Doch Du, o Dichter,
Bist nimmer der Richter!
Gebietet der fertigen Zungen,
Gebietet ihr Stand!
Dein Schwanenlied ist gesungen
Dem Vaterland.


Ende





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