> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 10 (84)

2013-12-14

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 10 (84)




– 32 –

Ein deutscher Meister war es, gottgesandt,
der jenes edle Tonstück uns geschenkt;
der Vogel übt's, der seine Flügel lenkt –
dir wünsch ich es, mein deutsches Vaterland.
Was allen Flügelwesen wohlbekannt,
was jedes Blatt, das aus der Hülle bricht,
ersehnt; was man von Kraft und Tugend spricht –
das wünsch ich dir, mein deutsches Vaterland.
Ein Flüßchen, an der Schieferberge Rand,
sehr vielen ist sein Name leerer Schall,
ein kleines Wort, doch wir ersehnen's all –
wünsch ich dir auch, mein deutsches Vaterland.
Auch ihn, der tief verabscheut Mord und Brand,
den Engel, der auf Morgenwiesen geht,
doch oft verhüllten Hauptes abseits steht –
ihn sende Gott dir, o mein Vaterland!
– 33 –

In Not und Gefahr
greife ich ein,
Schmerzlich willkommen
der Angst und der Pein;
lies mich von vorn,
lies mich verkehrt,
immer der gleiche,
geschmäht und geehrt.
– 34 –

Wir sind's mit Stamm und Vaterland,
mit Menschen, die uns lieb und blutsverwandt,
mit jeder Arbeit, die der Seele wert;
der Reiter rühmt: wir sind's, ich und mein Pferd.
Doch wer es ist, trägt eine schwere Last,
er ist sich selbst ein mißgeschickter Gast;
Statt Liebe blüht ihm Mitleid, und im Schwarm
gesunder Jugend fühlt er doppelt Harm.





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Inhalt und Einführung in "Das liebe Nest"

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