> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 13 (87)

2013-12-15

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 13 (87)





– 40 –

In alten Zeiten
hat mich der Mensch erdacht
und Ordnung mit mir
in die Dinge gebracht.
Wie nötig bin ich
der Wissenschaft,
wie zeige ich
der Völker Kraft!
Wenn ich nicht eng
ihm verbunden wär,
wie würde erliegen
das tapferste Heer!
Und doch weiß jeder,
wie schwach ich bin,
denn erst mein Nachbar
gibt Halt mir und Sinn.
– 41 –

Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,
und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
eng, doch erbaulich.
Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
mein Schaffenswille türmte ohne Schranken
Quadern auf Quadern.
Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,
ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
die feste Kette.
Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;
und meine Kinder lassen gern sich locken
von grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,
mir zu entfliehen.




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Inhalt und Einführung in "Das liebe Nest"

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