> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 12 (86)

2013-12-14

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 12 (86)




– 38 –

Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,
ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.
Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
sind Geist und Wille durch mich offenbart.
Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,
tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.
Versöhnung bring ich und entfache Streit,
zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.
Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;
vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.
– 39 –

Ich nähre mich von fremden Stoffen,
doch kann auch ohne sie bestehn;
ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
und alle Weiten stehn mir offen,
ihr würdet ohne mich vergehn.
Am hellen Tage herrsch ich gerne,
doch auch die Nacht ist mir vertraut;
ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
mich schreckt sie nicht, die große Ferne
die mich mit Geisterhänden baut.
Ich wirke in den Himmelsblitzen,
versteckter Tat bin ich verhaßt;
wo grübelnd die Gelehrten sitzen
und ratlos ob der Lösung schwitzen,
bin ich ein hochwillkommner Gast.





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Inhalt und Einführung in "Das liebe Nest"

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