> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 14 (88)

2013-12-15

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 14 (88)





– 42 –

Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,
strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;
wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,
hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.
Mein zweites hat der Kaiser und der König,
und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
es irgendwie zu sein, solang er lebt,
und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.
Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
anfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,
ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.
– 43 –

Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
so hast du eine schwere Arbeit vor,
so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.
Das andre Wort scheint winzig und gering,
doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;
es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,
die nur Natur verleihen kann, empfing.
Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
Gemeinden oder Ständen zuerkannt,
beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
doch schwinden hin im späteren Geschlechte.





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