> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 9 (83)

2013-12-14

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 9 (83)




– 29 –

Stets bin ich eines Leuchtenden Trabant,
teils nah, teils fern ihm, wie's der Himmel will.
Bescheiden bin ich selten, niemals still;
ja, Schweigen ist mir gänzlich unbekannt.
Ein Wort füg an, das keiner gern empfängt
und das die Kinder schreckt von Alters her;
doch ohne es fällt manche Arbeit schwer,
weil's feste Massen auseinander drängt.
Das ganze Wort sind Steinchen unter Steinen,
die im Geröll sich finden, glatt und spitz;
du hebst sie auf und freust dich an dem Witz,
den die Natur sich hat erlaubt im Kleinen.
– 30 –

Ich bin nur klein, doch banne ich die Welt
in meinen Kreis bis hoch ins Sternenzelt;
dem Vorbild der Natur einst nachgeschafft
vertiefte ich den Blick der Forschungskraft.
Ein Wort füg an, das sich der Mensch gesetzt
zur Ordnung gegen den, der sie verletzt;
der Fromme fühlt es oft von Gott gesandt,
ans Letzte, Jüngste denkt er furchtgebannt,
an Weltkrieg, Hungersnot und Aufruhrleid –
da ist das Ganze eine Seltenheit.
– 31 –

Die erste Silbe führt die krause Schar,
die uns vertraut seit unsrer Klippschulzeit.
Die zweite tönt durch Weiten hell und klar,
ruft bald zur Ruhe, bald zu wildem Streit.
Und wenn der tapfre Krieger
sein junges Leben gab,
fällt ihm vielleicht der Schatten
des Ganzen auf sein Grab.





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