> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 11 (85)

2013-12-14

P.Dehmel-Das liebe Nest: Allerlei Rätsel 11 (85)




– 35 –

Wir sind's gewiß in vielen Dingen
in einem sind wir's nimmermehr;
die sind's, die wir zu Grabe bringen,
und eben die sind's bald nicht mehr.
Drum, weil wir leben,
sind wir's eben
an Wesen wie Gesicht;
drum, weil wir leben,
sind wir's eben
zur Zeit noch nicht.
– 36 –

Nennst du das Ganze, tönt es uns entgegen
von Sommernächten, wo des Mondes Horn
verschwärmten Pärchen winkt auf lauschigen Wegen,
und wo aus seinem wundersamen Born
das Märchen auftaucht und in tiefem Sinnen
uns anschaut, und verträumte Bäche rinnen.
Teilst du das Wort, stellt dir zuerst sich dar
die Stadt, die wir mit Ehrfurcht gern beschauen,
die Heiden einst wie Christen heilig war,
wo Pilger heut und Kenner sich erbauen;
ein Teil der Stadt ist noch des Wortes Rest
und hält den Glanz vergangner Zeiten fest.
– 37 –

Ohne Zepter, ohne Krone
herrsche ich auf dieser Erde,
buntes Spiel vor meinem Throne
zaubert stets mein Wort: Es werde!
Noch zwei Zeichen: Alles wich,
Pracht und Buntheit sind verschwunden,
und in künftigen dunklen Stunden
werden es auch du und ich.
Aber ändre den Akzent:
sieh, schon quillt das Leben wieder,
neue Schau und neue Lieder,
die man gern mit mir benennt.






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Inhalt und Einführung in "Das liebe Nest"

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