> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: November und Dezember (98)

2013-12-16

P.Dehmel-Das liebe Nest: November und Dezember (98)





November

in Jägertracht mit Gewehr

Grüß Gott! Der November stellt sich vor.
Mir ist ergeben der große Chor
der Winde und Stürme, die das Gefilde
von Unrat säubern; und auch die Gilde
der Nebel und Wolken ist mir vertraut.
Wer auf des Meeres Sanftmut baut,
wagt sein Leben, wenn ich regiere;
ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,
ich hasse die Sonne, hasse die Milde,
zerreiße im Felde das letzte Gebilde.
Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,
hinter scheuem Wild die Büchse knallt.
Dezember

in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbäumchen

Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechte
zu kurzen Tagen die langen Nächte.
Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,
doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.
Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren,
flüstert es leise von Mündern zu Ohren,
gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,
ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,
ein »bitte, Mama«, ein »sag doch, Papa,
ists Christkindel denn noch nicht da?«
Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,
bin ich in meinem Element;
hell sind die Kerzen,
warm sind die Herzen,
uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind.
Und denen, die arm und traurig sind,
und wo die Not sonst die Freude verbannt,
geben wir gern mit Herz und Hand.





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