> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Räuber und Prinzessin 5 (105)

2013-12-16

P.Dehmel-Das liebe Nest: Räuber und Prinzessin 5 (105)





Vierte Szene

König, die Vorigen.


König:

Prinzessin Pumpfia, Kasimir,
wo seid ihr kleinen Schäker ihr?
Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?
Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.

Jagomir (beiseite):

I, du meine himmlische Güte,
die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte;
dabei gehör ick zum Räuberstand,
der ernährt seinen Mann besser als so'n Land.
(Laut):
Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehr
und verbeuge mir sehr.
(Er tut's)

König:

Mein Vaterherz hüpft froh und warm:
mein Pümpfchen in des Prinzen Arm.
Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,
wie findet meine Tochter Ihr?

Jagomir:

Das Mädel hier? Na, himmlisch süß,
wie'n Engelken im Paradies.

König:

Na, nimm se dir se denn se doch,
und spanne sie ins Ehejoch;
dann kocht dir deine kleine Braut
Erbsen mit Speck und Sauerkraut.

Jagomir:

Ach ja, und dann Kartoffelklöße
mit einer süßen Pflaumensöße.
(Umarmung.)

Pumpfia:

Wenn man in deinen Armen ruht,
dann kocht sich's gleich noch mal so gut.

König:

Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln,
verlier vor Rührung die Pantoffeln.
(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)
Fünfte Szene.

Kanzler, die Vorigen.


Kanzler:

Der Brief kommt eben von der Post,
der fünfundzwanzig Pfennige kost't.

König:

Wie oft schon hab ich deklariert,
ich nehme nichts mehr unfrankiert.
Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,
dann fliegt es gleich zum Fenster raus.
(Er öffnet den Umschlag)
Laß sehn, was steht in diesem Brief.

Jagomir (beiseite):

Na, geht die Sache doch noch schief?

König (liest):

»Prinz Kasimir entbeut den Gruß
dem hohen König Pflaumenmus;
er wird ihn heute noch besuchen
und hofft auf Kaffee und auf Kuchen.« –
Von alldem tut der Bauch mir weh;
was nun, mein Schwiegersohn in spe?
Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?

Jagomir (stolz):

Ich bin der Räuber Jagomir!

König:

Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus,
der reißt mir die Gedärme aus!
Gewiß, er wird mich massakrieren
und mir mein Pümpfchen dann entführen.
(Er weint.)

Pumpfia:

Was mich betrifft, ich halte still,
wenn er nur dich verschonen will.

Jagomir:

Ich schon ihn gern, und auch sein Geld –
(beiseite): das er nicht hat!
Ich bin ein edler Räuberheld.

Pumpfia:

Mein süßer Schuft, mein Wonneheld,
mit dir stehl ich die ganze Welt.
(Umarmung.)

Jagomir:

Bald kommt der Kasimir ins Haus;
komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus!
Im Walde steht mein freies Schloß,
da schläft sich's fein – auf Heu und Moos.

König:

Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
Hier hast du noch ein Angebind
(gibt ihr einen Zweimarkschein)
und außerdem noch meinen Segen.

Pumpfia:

Den kannst du uns auf Zinsen legen.
(Beide ab.)

König:

Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
ich weine mir ein Auge aus.
(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
O Kasimir, Prinz Kasimir,
warum warst du nicht eher hier!
Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
die Welt, die ist ein Wackeltopf.
Nur eins ist unverrückt und wahr,
nur eins wie meine Pleite klar:
Hoch herrschen über Raum und Zeit
die Frechheit und die Dreistigkeit.
(Vorhang.)





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