> Gedichte und Zitate für alle: P.Dehmel-Das liebe Nest: Siebenschläfer (29)

2013-12-09

P.Dehmel-Das liebe Nest: Siebenschläfer (29)





Zweiter Teil


Das Haus

Ich bau, ich bau ein steinern Haus;
vorne guckt ein Esel raus,
hinten eine Kuh,
muh.
Mit Trommel und Trab

Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fäden über Land,
über Bäume,
über Zäune,
um Stoppel und Dorn,
immer von vorn.
Für wen sitzen die alten Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fäden über Land?
Für Wildbub Kraushaar,
kommt alle hundert Jahr
mit Trommel und Trab
vom Himmel herab,
reißt alle Fäden auf einmal ab,
macht sich ein'n Mützenpuschel draus
und lacht die alten Weiber aus.
Siebenschläfer

Ihr Siebenschläfer in den Höhlen,
reckt euch, streckt euch, aufgewacht!
Der Frühling leuchtet in den Himmel
nach einer einzigen warmen Nacht.
Schnell, schüttelt eure grauen Zotteln,
und blinzelt in das blaue Licht;
Herrgott, wer wird so langsam trotteln,
ich lauf voraus, ich warte nicht.
Die Amsel übt schon ihre Lieder,
ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;
und denkt euch nur, der blaue Flieder
hat Knospen, und der Haselstrauch.
Der Teckel bellt vor lauter Wonne
und wühlt die frische Erde um –
Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,
ihr Siebenschläfer faul und dumm?





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