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2014-01-05

Christliche Gedichte von P.Gerhardt (2)






Paul Gerhardt


Alles vergehet

Alles vergehet;

Gott aber stehet
Ohn' alles Wanken,
Seine Gedanken,
Sein Wort und Wille hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden,
Die nehmen nicht Schaden,
Heilen im Herzen
Die tödlichen Schmerzen,
Halten uns zeitlich und ewig gesund.
 Ach treuer Gott, barmherzigs Herz

 Ach treuer Gott, barmherzigs Herz,
des Güte sich nicht endet, ich weiß, 
das mir dies Kreuz und Schmerz
dein Vaterhand zusendet;
ja, Herr, ich weiß, das diese Last
du mir aus Lieb erteilet hast
und gar aus keinem Hasse.

 Denn das ist allzeit dein Gebrauch:
Wer Kind ist, muß was leiden,
und wen du liebst, den stäubst du auch,
schickst Trauern vor den Freuden,
führst uns zur Höllen, tust uns weh
und führst uns wieder in die Höh,
und so geht eins ums andre.

 Das hat, Herr, dein geliebter Sohn
selbst wohl erfahrn auf Erden;
denn eh er kam zum Ehrenthron,
musste er gekreuzigt werden.
Er ging durch Trübsal, Angst und Not,
ja durch den herben, bittern Tod
drang er zu Himmelsfreude. 

 Ach liebster Vater, wie so schwer
ist´s der Vernunft, zu glauben, 
das du demselben, den du sehr 
schlägst, solltest günstig bleiben!
Wie macht doch Kreuz so lange Zeit!
Wie schwer will sich doch Lieb und Leid
zusammen lassen reimen. 

 Was ich nicht kann, das gib du mir,
o höchstes Gut der Frommen:
gib, das mir nicht des Glaubens Zier
durch Trübsal werd entnommen;
erhalte mich, o starker Hort,
befestge mich in deinem Wort,
behüte mich vor Murren!

 Bin ich ja schwach, laß deine Treu
mir an die Seite treten;
hilf, das ich unverdrossen sei
zum Rufen, Seufzen, Beten.
Solang ein Herze hofft und gläubt
und im Gebet beständig bleibt,
so lang ist´s unbezwungen.

 Greif mich auch nicht zu heftig an,
damit ich nicht vergehe;
du weißt wohl, was ich tragen kann,
wie´s um mein Leben stehe.
Ich bin ja weder Stahl noch Stein;
und weht ein Lüftlein nur herein,
so fall ich hin und sterbe. 

 Ach Jesu, der du worden bist
mein Heil mit deinem Blute,
du weißt gar wohl, was Kreuze ist
und wie dem sei zumute,
den Kreuz und großes Unglück plagt;
drum wirst du, was mein Herze klagt,
gar gern zu Herzen fassen.

Sprich meiner Seele herzlich zu
und tröste mich aufs beste;
denn du bist ja der Müden Ruh,
der Schwachen Turm und Feste,
ein Schatten vor der Sonne Hitz,
ein Hütte, da ich sicher sitz
im Sturm und Ungewitter.

 O Heiliger Geist, du Freudenöl,
das Gott vom Himmel schicket,
erfreue mich, gib meiner Seel,
was Mark und Bein erquicket!
Du bist der Geist der Herrlichkeit,
weißt, was für Freud und Seligkeit
mein in dem Himmel warte.

 Daselbst wirst du in ewger Lust
gar liebreich mit mir handeln,
mein Kreuz, das dir und mir bewußt,
in Freud und Ehre wandeln.
Da wird mein Weinen lauter Freun,
mein Ächzen lauter Jauchzen sein.
Das glaub ich; hilf mir!

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