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2014-01-10

Gedichte von J.Ringelnatz: Landflucht (67)






Landflucht

Fort vom Lande, aus dem engen
Städtchen in die Großstadt flieht der Geist,
Wo im Kampf der Mengen
Er zerreißt.
Dort, wo Puls und Uhr
Schneller ticken,
Wird er sich zusammenflicken,
Wenn er’s erst versteht,
Das die unbezwingliche Natur
Auch auf Radiowellen, Schienenspur
Und Propellerschwingen weitergeht.

Wenn ihm das gelingt,
Wenn er nicht darüber ganz verkommt,
Wenn ihm die Erkenntnis frommt,
Das die Nachtigall genau so singt
Wie ein Spatz
Am Alexanderplatz,--
Ja, dann wird ihn wohl von Zeit zu Zeit

Eine Sehnsucht wieder landwärts tragen
In die Enge, in die Einsamkeit. —
Bis die simplen, friedlichen, gesunden
Bauern ihn nach Tagen
Oder Stunden
Wiederum verjagen;
In die große Stadt zurück.
Und dort wird er sagen:
Nur im Ruhelosen ruht das Glück.



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