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2014-01-05

Paul Gerhardt: Christliche Gedichte (3)






Paul Gerhardt



Ich weiß, mein Gott,
dass all mein Thun

 Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun
und Werk in deinem Willen ruh'n,
von dir kommt Glück und Segen;
was du regierst, das geht und steht
auf rechten, guten Wegen.

 Es steht in keines Menschen Macht,
dass sein Rat werd ins Werk gebracht
und seines Gangs sich freue;
des Höchsten Rat, der macht's allein,
dass Menschenrat gedeihe.

Es fängt so mancher weise Mann
ein gutes Werk zwar fröhlich an
und bringt's doch nicht zum Stande;
er baut ein Schloss und festes Haus,
doch nur auf lauter'm Sande.

 Verleihe mir das edle Licht,
das sich von deinem Angesicht
in fromme Seelen strecket
und da der rechten Weisheit Kraft
durch deine Kraft erwecket.

 Gib mir Verstand aus deiner Höh',
auf dass ich ja nicht ruh und steh
auf meinem eignen Willen;
sei du mein Freund und treuer Rat,
was recht ist, zu erfüllen.

 Prüf alles wohl, und was mir gut,
das gib mir ein; was Fleisch und Blut
erwählet, das verwehre.
Der höchste Zweck, das beste Teil
sei deine Lieb und Ehre.

 Was dir gefällt, das lass auch mir,
o meiner Seelen Sonn und Zier,
gefallen und belieben;
was dir zuwider, lass mich nicht
in Werk und Tat verüben.

 Ist's Werk von dir, so hilf zu Glück,
ist's Menschentun, so treib zurück
und ändre meine Sinnen.
Was du nicht wirkst, das pflegt von selbst
in kurzem zu zerrinnen.

 Tritt du zu mir und mache leicht,
was mir sonst fast unmöglich deucht,
und bring zum guten Ende,
was du selbst angefangen hast
durch Weisheit deiner Hände.

 Ist ja der Anfang etwas schwer
und muss ich auch ins tiefe Meer
der bittern Sorgen treten,
so treib mich nur, ohn' Unterlass
zu seufzen und zu beten.

 Wer fleißig betet und dir traut,
wird alles, davor sonst ihm graut,
mit tapfer'm Mut bezwingen;
sein Sorgenstein wird in der Eil'
in tausend Stücke springen.

Der Weg zum Guten ist gar wild,
mit Dorn und Hecken ausgefüllt;
doch wer ihn freudig gehet,
kommt endlich, Herr, durch deinen Geist,
wo Freud und Wonne stehet.

 Du bist mein Vater, ich dein Kind;
was ich bei mir nicht hab und find,
hast du zu aller G'nüge.
So hilf nur, dass ich meinen Stand
wohl halt und herrlich siege.

 Dein soll sein aller Ruhm und Ehr,
ich will dein Tun je mehr und mehr
aus hocherfreuter Seelen
vor deinem Volk und aller Welt,
so lang ich leb, erzählen.

 Ach es ist ein bittres Leiden

 Ach es ist ein bittres Leiden
und ein rechter Myrrhentrank,
sich von seinen Kindern scheiden
durch den schweren Todesgang!
Hier geschieht ein Herzensbrechen,
das kein Mund kann recht aussprechen.

 Aber das, was wir beweinen,
weiß von allem Jammer nichts,
sondern sieht die Sonnen scheinen 
und den Glanz des ewgen Lichts,
singt und springt und hört die Scharen,
die hier seine Wächter waren.

 Muß der kleine Leib verwesen,
ist´s ihm ein geringer Schad:
Gott wird schon zusammenlesen,
was der Tod zerstreuet hat:
treu ist er und frommen den Seinen,
wacht auch über den Gebeinen.

 Diesem Herrn ist nichts verdorben:
wenn des Todes Nacht vorbei,
nimmt er das, was war gestorben,
und machts weider ganz und neu.
Also werden wir zur Erden,
daß wir mögen himmlisch werden.

Auf deswegen! Seid zufrieden,
Vaterherz und Muttergeist!
Lasset schlafen, was geschieden
und zu Gott ist hingereist!
Was für Tränen ihr vergossen,
laßt sie sein mit Trost geschlossen!

 Wandelt eure Klag in Singen,
ist doch nunmehr alles gut!
Trauern mag nicht wiederbringen,
was im Himmelsschoße ruht.
Aber wer getrost sich gibet,
ist bei Gott sehr hoch geliebet.



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