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2014-01-06

Trinklieder-u.Weinlieder- G.Pfarrius: Der Trunk aus dem Stiefel (10)





Gustav Pfarrius

Der Trunk aus dem Stiefel

Da droben saßen sie allzumal
Und zechten im alten Rittersaal;
Die Fackeln glänzten herab vom Stein
Und schimmerten weit in die Nacht hinein.

Es sprach der Rheingraf. »Ein Kurier
Ließ jüngst mir diesen Stiefel hier;
Wer ihn mit einem Zug wird leeren,
Dem soll Dorf Hüffelsheim gehören!«

Und lachend goss er mit eigner Hand
Voll Wein den Stiefel bis an den Rand,
Und hob ihn mitten wohl in den Kreis:
»Wohlan, ihr Herren, ihr kennt den Preis!«

Johann von Sponheim hielt sich in Ruh
Und wünschte dem Nachbarn Glück dazu,
Und dieser, Meinhart war’s von Dhaun,
Zog scheu zusammen die dunklen Brau’n.

Verlegen den Bart sich Flörsheim strich,
Und Kunz von Stromberg schüttelte sich,
Und selbst der mutige Burgkaplan
Sah den Koloß mit Schrecken an.

Doch Boos von Waldeck rief von fern:
»Mir her das Schlückchen! Zum Wohl, ihr Herrn!«
Und schwenkte den Stiefel und trank ihn leer,
Und warf sich zurück in den Sessel schwer,

Und sprach: »Herr Rheingraf, ließ der Kurier
Nicht auch seinen andern Stiefel hier?
Wasmaßen in einer zweiten Wette
Auch Rooxheim gern verdienet hätte.«

Deß lachten sie alle und priesen den Boos
Und schätzten ihn glücklich als bodenlos;
Doch Hüffelsheim mit Maus und Mann
Gehörte dem Ritter Boos fortan.




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