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2014-01-17

Ulk.-Nonsens-und Scherzgedichte: L.Bechstein Der Verdrießliche (22)





Ludwig Bechstein

Der Verdrießliche

Ich bin verdrießlich;
weil ich verdrießlich bin,
bin ich verdrießlich.

Sonne scheint gar zu hell,
Vogel schreit gar zu grell,
Wein ist zu sauer mir,
zu bitter ist das Bier,
Honig zu süßlich.
Weil nichts nach meinem Sinn,
weil ich verdrießlich bin,
bin ich verdrießlich.

Dort wird Musik gemacht,
dort wird getanzt, gelacht,
dort wirft man gar den Hut:
Wie mich das ärgern tut!
Ist nicht ersprießlich,
ist nicht nach meinem Sinn,
weil ich verdrießlich bin,
ach, so verdrießlich!

Wo ich auch geh’ und steh’,
ich meinen Schatten seh’,
immer verfolgt er mich,
ist das nicht ärgerlich?
Und wenn der Himmel trüb,
ist es mir auch nicht lieb,
Winter ist mir zu kalt,
Frühling kommt mir zu bald,
Sommer ist mir zu warm,
Herbst bringt den Mückenschwarm,
Mücken auf jeder Hand,
Mücken an jeder Wand;
O wie mich das verstimmt!
O wie mich das ergrimmt!

Wie das ins Herz mir brennt!
Himmelkreuzelement —
bin ganz verdrießlich,
weil nichts nach meinem Sinn,
weil ich verdrießlich bin,
ach, wie verdrießlich!



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Satirische Gedichte von Tucholsky, Ringelnatz usw.

2 Kommentare:

Heaven Tears hat gesagt…

Ich suche nach diesem Gedicht seit 40 Jahren! Dachte immer, es wäre von Ringelnatz. Deshalb habe ich es wohl auch nie wiedergefunden.
Ich kann gar nicht genug danken. ❤️

Der Lyriker hat gesagt…

Freud mich das Sie es nach so einer langen Zeit gefunden haben. leider werden es immer weniger Menschen die sich für Lyrik interessieren. Gerade die deutsche Lyrik hat soviel zu bieten.

j.Lindner