> Gedichte und Zitate für alle: Ulk.-Nonsens-und Scherzgedichte: L.Eichrodt: Das Menschenbewußtsein (9)

2014-01-15

Ulk.-Nonsens-und Scherzgedichte: L.Eichrodt: Das Menschenbewußtsein (9)





Ludwig Eichrot

Das Menschenbewußtsein

Wie muß ich meinem Schöpfer danken,
Daß ich nicht eine Kröte ward,
Die ohne sittlichen Gedanken
Im Kote nur sich wälzt und scharrt,
Ich bin ein Mensch, vor Gott zu wandeln,
Kein Schamgefühl bringt mir mein Handeln.

Wär ich ein Ochs an seiner Krippe,
Ich wüßte mir zu helfen nicht,
Kein Wort belebte meine Lippe,
Verstehen könnt ich kein Gedicht.
Wie müßt ich mich unglücklich fühlen,
Wenn ich nur könnte sinnlos brüllen!

Wär ich zum Tiger gar verfluchet,
Der raubt und mordet grausen Sinns,
In Wildheit sich die Gattin suchet -
Ich schauderte zu sehn: ich bin’s.
Gottlob, daß ich ein Mensch geworden,
Der nicht den Trieb hat, wild zu morden.

O, Mensch zu sein von Gottes Gnaden,
Gut sein zu dürfen, fromm und rein,
Die Vögel, Fische, Molche, Maden,
Sie ahnen nicht, was das mag sein.
Der Seraph aber muß uns neiden,
Denn er entbehrt Familienfreuden!



alle Scherz.-Ulk.-und Unsinngedichte                                                                     weiter


Satirische Gedichte von Tucholsky, Ringelnatz usw.

Keine Kommentare: