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2014-01-16

Ulk.-Nonsens-und Scherzgedichte: D.v.Liliencron: Deutsche Reimreinheit (11)




Detlev von Liliencron

Deutsche Reimreinheit

Feinslieb, ich steh’ in dem Gesträuche,
in des Mondes hellem Bereuche;
komm herab und neige dich, neuche
dich zu mir — oder soll ich dich finden
in deinem Zimmerchen ganz hinden?
Oder im Garten dich begrüßen,
wo die sinnigen Bächlein flüßen?
Wo die süßen Blaublümlein sprießen,
darf ich dich etwa dort begrießen?
Geliebte, ich will dich doch nicht betrügen,
oh, sieh mich dir zu Füßen lügen!
Oh, hörst du nicht schon das Brautgeläute,
es scheint mir ein wenig sehr aus der Weute.
Fla, gräßlich! Ein Rival! Ich zieh’ vom Leder,
ich schreie Hailoh und Mord und Zeder.
Wie trübte das meine Herzensfreude
und gab mir soviel Herzeleude!
Daß doch immer der Liebe Leiden
so häßlich beschließen der Liebe Freiden.

Hab Dank, mein Freund, für dein trefflich Lied,
Das sicher im Sterben durchs Herz mir noch zieht,
Nur kann ich auf den Tod nicht leiden,
Wenn die Deutschen den reinen Reim vermeiden.
So hab ich den Reim denn unverrückt
Aus dem vorlaufenden Vers dir gepflückt.
Hinfüro bitt ich dich, reime rein,
Und laß das abscheuliche Schmuggeln sein!



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